07.07.2018

ZeitgeschichteWas ein Mensch vermag

Nelson Mandela wäre am 18. Juli 100 geworden, nun erscheinen seine Briefe aus dem Gefängnis als Buch.
• Einen Kompass hat der frühere US-Präsident Barack Obama die Worte Nelson Mandelas einmal genannt, "einen Kompass in einem Meer des Wandels". Wie gut die Menschheit in diesen stürmischen Tagen einen solchen Kompass brauchen könnte. Nicht dass uns die Worte eines Toten eine genaue Richtung für den notwendigen Weg in unserer Zeit weisen könnten. Die müssen wir schon selbst finden. Aber das beharrlich gleiche Ausschlagen der Nadel, egal welche Wellen auch über das Instrument hereinbrechen – das ist die Botschaft des Mandela-Kompasses für uns und unsere Zeit. 27 Jahre verbrachte er im Gefängnis. 27 Jahre blieb er optimistisch, kämpferisch, aufrecht. Hunderte Briefe schrieb er aus seiner Zelle. Alle von der Zensur kontrolliert, manche abgefangen, einbehalten. Wie es der Staatsmacht gefiel. Im Alter von 44 Jahren war der Anwalt und Aktivist des African National Congress in Südafrika verhaftet und eingesperrt worden. 10 052 Tage verbrachte er in Haft. Von 1994 bis 1999 war er der erste frei gewählte Präsident Südafrikas. Am 18. Juli wäre Mandela 100 Jahre alt geworden. Kurz vor dem Jubiläum erscheint eine Auswahl seiner Gefängnisbriefe als Buch. Es sind fesselnde Dokumente, die davon Zeugnis ablegen, was ein Mensch vermag. Wie viel Kraft, wie viel Geradlinigkeit, wie viel helle Freundlichkeit noch in den dunkelsten Momenten des Lebens möglich sind. In dem Brief, den der SPIEGEL hier dokumentiert, schreibt Mandela an seine Töchter Zenani und Zindzi, damals zehn und acht Jahre alt. Gerade hat er erfahren, dass ihre Mutter, Winnie, verhaftet worden ist. Niemand weiß, wann die Kinder sie wiedersehen werden. Sein Brief vereint die Grundlehren seines Lebenskompasses: einen klaren Blick auf die Realitäten des Augenblicks und die Folgerung daraus – nicht Verzagtheit, sondern Mut, Ermutigung, gemeinschaftliche Zuversicht.
Nelson Mandela: "Briefe aus dem Gefängnis". C. H. Beck; 752 Seiten; 28 Euro. Erscheint am 10. Juli.
Von VW,

DER SPIEGEL 28/2018
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