14.07.2018

SüdafrikaKult um Mandelas 100. Geburtstag

•  Michael Jackson, Ronaldo, Boris Becker – sie alle waren einst zu Besuch bei Nelson Mandela, um sich in seinem Ruhm zu sonnen. Journalisten, Berater, sogar ehemalige Gefängniswärter schreiben nun Bücher über ihn, geben Interviews, verkaufen ihre Erinnerungen. Am 18. Juli wäre Mandela 100 Jahre alt geworden, das Geschäft mit ihm blüht, und jeder will ihm nahe gewesen sein. Schon seit seinem Tod vor bald fünf Jahren wird er in Südafrika wie ein Heiliger verehrt, und überall tauchen nun neue Reliquien auf.
Es gibt immer wieder auch überraschende Funde. Diese Woche stieß der SPIEGEL auf eine Website mit einem Verzeichnis weitgehend unbekannter südafrikanischer Schriftsteller, die sich mit dem Faksimile eines bislang unbekannten Briefes Mandelas aus dem Gefängnis schmückt. Darin bedankt sich der Freiheitskämpfer in bestem Afrikaans bei einem Verlag für eine Gedichtsammlung des südafrikanischen Autors Diederik Opperman und lobt dessen Werk als nationales Kulturerbe. Das Schreiben wurde von den Zensoren am 4. März 1975 abgestempelt, am Beginn eines der härtesten von insgesamt 27 Kerkerjahren.
Afrikaans, die Sprache der Apartheid, hatte Mandela sich selbst beigebracht, das gehörte zu seiner Überlebensstrategie im Gefängnis. Der Brief zeigt, wie Mandela sich in der Gefangenschaft in seine Unterdrücker hineinversetzte, ihre Mentalität analysierte, ihre Sitten, ihre Geschichte – und ihre Sprache lernte, um ihre Feindschaft zu überwinden. Sogar burische Vollzugsbeamte, die ihn zu Anfang als »schwarzen Boy« verachteten, redeten ihn schließlich mit Mister Mandela an.
Nelson Mandela, der große Versöhner, war bereits zu Lebzeiten eine globale Kultfigur, aber nach seinem Tod verkörpert er – gerade in den heutigen bewegten Zeiten – noch stärker die Sehnsucht nach einem weisen Staatsmann.
gewidmet. Das Heft ist für 7,90 Euro im Handel erhältlich oder auf www.spiegel.de
Anlässlich des 100. Geburtstags von Mandela ist ihm die aktuelle Ausgabe von DER SPIEGEL Biografie
Von ILL

DER SPIEGEL 29/2018
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Südafrika:
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