24.04.2000

HAUPTSTADTSehnsucht nach Bonn

Zunehmend ratlos sucht die Protokollabteilung des Auswärtigen Amtes (AA) nach geeigneten Räumlichkeiten für Schröders exklusives Gala-Diner Anfang Juni in Berlin. Bei einer Konferenz zum Thema "Modernes Regieren" mit 14 Staats- und Regierungschefs will der Kanzler als Gastgeber brillieren - doch wohin auch immer die Protokollbeamten im vereinten Berlin bisher geschaut haben, keine der in Frage kommenden historischen Stätten erfüllte die hohen sicherheitstechnischen und repräsentativen Anforderungen.
Weder das Schloss Glienicke noch das Pergamonmuseum, weder das Alte Museum noch die Staatsoper fanden in den Augen der AA-Experten Gnade. Voller Sehnsucht erinnern sich die staatlichen Partyplaner an den Petersberg bei Bonn mit seinem Blick auf das Rheintal oder an das vielfach bewährte Schloss Augustusburg in Brühl. Vergangenen Sommer, während des G-8-Gipfels, hatten die Staats- und Regierungschefs gar auf einem Mosaikboden im Römisch-Germanischen Museum in Köln getafelt.
Abhilfe wird erst das neue Kanzleramt bringen: Nach seiner Fertigstellung, voraussichtlich im April kommenden Jahres, können Gala-Veranstaltungen nahezu jeder Größenordnung im achten Stock des Schultes-Baus stattfinden, mit weitem Blick über den Tiergarten und das neue Regierungsviertel. Bis dahin muss der Kanzler mit Provisorien leben: Die Arbeitssitzungen der Regierungskonferenz mit Bill Clinton, Tony Blair und anderen liberalen und sozialdemokratischen Staatslenkern finden im Übergangskanzleramt am Schlossplatz statt - mit wenig herrschaftlichem Blick auf den ausgeschlachteten Palast der Republik.

DER SPIEGEL 17/2000
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