24.04.2000

AFFÄRENCodename „Maxwell“

In den Unterlagen der Staatsanwaltschaft Augsburg findet sich ein neues Bindeglied zwischen zwei großen Affären der Ära Kohl: Aus dem Terminkalender des Lobbyisten Karlheinz Schreiber, gegen den wegen Schmiergeld für das "Fuchs"-Panzergeschäft ermittelt wird, ergibt sich eine Verbindung zur zentralen Figur der Leuna-Affäre, dem saarländischen Geschäftsmann Dieter Holzer. Unter dem Datum 29. Juli 1994 findet sich der Schreiber-Eintrag "Maxwell: Delta Int. EST. SBV LO/234-986-1 D. 200 ST. Gallen". Hinter "Maxwell" vermuten die Staatsanwälte ein von Schreiber treuhänderisch geführtes Konto, über das der Strauß-Sohn Max insgesamt 5,2 Millionen Mark erhalten haben soll - ein Vorwurf, den sowohl Strauß als auch Schreiber bestreiten. Die anderen Kürzel stehen für ein Konto beim Schweizerischen Bankverein (SBV) in St. Gallen, das Holzers Firma Delta International Establishment zugeordnet wird. Über das Konto liefen auch Millionenprovisionen aus dem Leuna-Deal (SPIEGEL 13/2000). Ein Auftraggeber, den er nicht nennen wolle, habe ihn "angewiesen, 200 000 Mark zu überweisen", erklärt Schreiber, zu welchem Zweck, wisse er nicht. Dass die Delta zu Holzer gehöre, habe er erst später erfahren; Maxwell stehe nicht für Max Strauß. Gleichwohl ermittelt die Augsburger Staatsanwaltschaft gegen Strauß im Zusammenhang mit Zahlungen der Delta International wegen des Verdachts der Geldwäsche. 1994 und 1995 hatte die Delta insgesamt 400 000 Mark über Umwege an einen Strauß-Bekannten in München überwiesen. Ein Teil des Geldes, so die Staatsanwaltschaft, kam vom Delta-Konto in St. Gallen. Einen Bezug zur Leuna-Affäre schließen die Ermittler nicht aus. Deswegen haben sie die Pariser Justiz in einem Rechtshilfebegehren um "Einsicht in die Unterlagen betreffend das Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem Verkauf der Leuna-Werke an die Firma Elf Aquitaine" gebeten. Anfang April vernahmen die Augsburger in Paris André Guelfi als Zeugen. Über dessen Firma Nobleplac sind rund 100 Millionen Mark beim Leuna-Deal geflossen.

DER SPIEGEL 17/2000
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