24.04.2000

SCHULDENSchlechte Zeiten für Gläubiger

Wegen der zunehmenden Verschuldung privater Haushalte und säumiger Zahlungen von Firmen kommen Gerichtsvollzieher kaum noch mit der Eintreibung der Gelder nach. Typisch ist das Schreiben einer Obergerichtsvollzieherin an den Münchner Anwalt Peter Solloch, der einen Zahlungsbefehl gegen eine Fensterfabrik erwirkt hatte: "Meine Arbeitsbelastung liegt bereits bei nahezu 200 Prozent", klagte die Beamtin, der Anwalt müsse sich noch drei bis vier Monate gedulden. Die neuen Bundesländer, wo es Anfang der neunziger Jahre oft ein Jahr und länger dauerte, bis der Gerichtsvollzieher tätig wurde, sind inzwischen auf West-Niveau: Nach Beobachtungen des Deutschen Gerichtsvollzieher-Bundes dauert es inzwischen im Schnitt etwa sechs Monate, bis der Beamte zum Schuldner geht. Allerdings treiben die Gerichtsvollzieher inzwischen mehr Geld als früher ein. Seit Anfang vergangenen Jahres nehmen nicht mehr die Rechtspfleger bei den Gerichten, sondern die Gerichtsvollzieher die eidesstattliche Versicherung - den früheren Offenbarungseid - ab, das hat die Zahlungsbereitschaft der Schuldner gegenüber dem Gerichtsvollzieher spürbar erhöht.

DER SPIEGEL 17/2000
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