24.04.2000

ENERGIEVERSORGERTrickreiche Gaskonzerne

Im Geschäft mit Sonderkunden verbuchen die deutschen Ferngaslieferanten klammheimlich Zusatzprofite : nach Berechnung der Münchner Beratungsgesellschaft EnergyLink AG 0,06 Pfennig pro Kilowattstunde, was sich jährlich auf gut 140 Millionen Mark addiert. Das Zusatzgeschäft entsteht durch eine Preisgleitklausel, die zu Jahresbeginn wirksam wurde - und die zum Teil auf Steuern basiert, die die Gaskonzerne gar nicht zahlen. Im vergangenen Jahr wurde die Erdgassteuer um 0,32 Pfennig je Kilowattstunde und die Heizölsteuer um 4 Pfennig pro Liter angehoben. Da der Erdgaspreis an die Entwicklung des Preises für Heizöl gekoppelt ist, zahlt der Verbraucher höhere Gaspreise, wenn das Heizöl teurer geworden ist. Die Gaskonzerne profitieren so von den Steuererhöhungen bei Heizöl, sie müssen aber nur die Erdgassteuer bezahlen. Von dem Zusatzgewinn durch die fiktive Heizölsteuer - insgesamt 0,36 Pfennig pro Kilowattstunde - gewähren die Gaskonzerne einen Pauschalrabatt von 0,3 Pfennig. Die unscheinbar anmutenden 0,06 Pfennig, die die Gaslieferanten behalten, bringen nach Schätzung der Münchner Energieberater dem Marktführer Ruhrgas jährlich rund 90 Millionen Mark ein. EnergyLink-Vorstand Klaus Straßburger will die Gaskonzerne notfalls verklagen: "Dem Kunden steht die volle Erstattung zu." Die Ruhrgas bestreitet den ungerechtfertigten Zusatzgewinn; mit Sonderkunden - größeren Firmen und Wohnungsgesellschaften - würden auch "individuelle Rabatte" ausgehandelt.

DER SPIEGEL 17/2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 17/2000
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

ENERGIEVERSORGER:
Trickreiche Gaskonzerne