24.04.2000

MEDIENPREISJagd auf Clinton

Karlheinz Kögel, Inhaber der TV-Quoten-Firma Media Control und Gründer des Reiseveranstalters L'tur, hat unerwartete Probleme mit der Verleihung des Deutschen Medienpreises, den bereits Größen wie François Mitterrand, Boris Jelzin und zuletzt Nelson Mandela bekamen. Der dieses Jahr auserkorene US-Präsident Bill Clinton sagte zu Kögels Kummer plötzlich ab. Als offiziellen Grund nennt die US-Botschaft, dass Clinton während seines Deutschland-Besuchs im Juni bereits den Aachener Karls-Preis erhalte. "Den Preis kann man gar nicht ablehnen, notfalls fahre ich mit der Jury nach Washington", kontert Kögel, der sich als Opfer der amerikanischen Innenpolitik sieht. So würde die Entgegennahme zweier europäischer Preise den US-Bürgern womöglich signalisieren, dass sich Clinton zu sehr um Außenpolitik kümmere, mutmaßt der badische Unternehmer. Allerdings könnte auch die Begründung der aus namhaften Chefredakteuren bestehenden Jury den US-Politiker verstört haben. Darin heißt es, wohl in Anspielung auf die Lewinsky-Affäre, man wolle Clinton "bei all seiner Widersprüchlichkeit" ehren. Dass zudem der Name Deutscher Medienpreis irreführend ist, räumt selbst Kögel ein, schließlich geht es um Verdienste für den Weltfrieden. Nun soll die Ehrung "German Media Price for World Peace Initiators" heißen.

DER SPIEGEL 17/2000
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