24.04.2000

TIEREOpfer der Wende

Der Rotmilan (Spannweite: 1,8 Meter), vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zum "Vogel des Jahres 2000" erklärt, hat Mühe, seine Brut durchzufüttern. Zwei bis vier hungrige Jungtiere sitzen derzeit in den Horsten der mächtigen Greifvögel. Doch ihre Lieblingsspeise, der Feldhamster, wird immer seltener aufgetischt. Vor allem in den neuen Bundesländern, wo über 40 Prozent der Weltbestände leben, sind dramatische Rückgänge zu verzeichnen. Zu LPG-Zeiten fanden allein in Sachsen-Anhalt über 3000 Milan-Paare sattes Auskommen und ein ideales Jagdgefilde. Doch seit der Wende haben die Bauern auch in Ostdeutschland Geld für moderne Maschinen, Chemikalien und die Dränage von Feuchtgebieten. In den Bördelandschaften knattern Tiefpflug-Traktoren und wühlen die Hamsterbauten auf. Um einen dieser 500 Gramm schweren Nager in seiner Nahrung zu ersetzen, muss der Raubvogel umgerechnet 15 Feldmäuse erjagen. Zudem wird ihm die Sicht auf seine Jagdbeute durch wogende Rapsfelder erschwert. Um dem Rotmilan, aber auch anderen von der Agrarwirtschaft bedrohte Vogelarten Freiräume zu schaffen, so Manfred Prügel vom Nabu Hamburg, kaufe sein Verband im Bereich der Mittelelbe zunehmend Grünflächen auf.

DER SPIEGEL 17/2000
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TIERE:
Opfer der Wende

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