24.04.2000

GESTORBENGiorgio Bassani

Giorgio Bassani, 84. Er stammte aus dem jüdischen Großbürgertum der Stadt Ferrara. Als Jugendlicher hing er, wie seine Familie und der jüdische Bürgermeister seiner Heimatstadt, zunächst dem tragischen Irrglauben an den italienischen Faschismus an. Als die Nazis von 1934 an den Antisemitismus in Italien salonfähig machten, wurden die einstigen Honoratioren ins Ghettoleben abgedrängt, der junge Bassani schloss sich während seines Studiums dem Widerstand an. Er entging dem Schicksal der meisten italienischen Juden, die nach 1943 in den Vernichtungslagern verschwanden. Die versunkene Welt von Italiens jüdischem Bürgertum bildet das Zentrum seines vielfach preisgekrönten Werkes. Bassanis berühmtester Roman, 1963 unter dem Titel "Die Gärten der Finzi-Contini" ins Deutsche übersetzt, wurde von Vittorio de Sica verfilmt. Die Leinwand-Version gewann zwar 1971 den Goldenen Bären der Berlinale, nicht aber die Zuneigung des Autors. In die Weltliteratur schrieb Bassani sich mit einem ebenso ausgefeilten wie transparenten Stil ein. Seine würdevollen, von unaufdringlicher Hoffnungslosigkeit charakterisierten Figuren fesselten seine Leser. "Meinen höchsten Ehrgeiz habe ich darin gesehen, plausibel und glaubwürdig zu wirken", sagte er über seine Literatur. Giorgio Bassani starb am 13. April in Rom.

DER SPIEGEL 17/2000
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