24.04.2000

Helmut Kohl

Helmut Kohl, 70, hat doch noch Freunde in der eigenen Partei: die Politik-Desperados Günther Krause, 46, und Peter-Michael Diestel, 48, einst Kabinettsmitglieder zu Wende-Zeiten in der Regierung von DDR-Premier Lothar de Maizière. Als die ostdeutsche Illustrierte "Super Illu" mit den beiden Ost-Politikern im Berliner Adenauerhaus ein Interview führte, kündigten die beiden den anfangs ungläubigen Redakteuren einen Überraschungsgast an. Doch erst einmal machte Krause seinem Ärger über die neue Parteichefin Angela Merkel Luft, die er in Anspielung auf ihre frühere Mitgliedschaft in der DDR-Jugendorganisation FDJ nur spöttisch als "Zentralrat der FDJ" bezeichnete: "Ich bin von ihr enttäuscht. Ich habe viel für sie getan." Da schneite auch schon Kohl ins Zimmer und wurde von seinen Wende-Kumpanen herzlich begrüßt. Der Altkanzler ließ sich in einen Sessel fallen und begann von alten Zeiten zu schwärmen: "Als wir nach Erfurt reinkamen, waren die Straßen voller Menschen, an den Straßenbahnen hingen Transparente ,Helmut, herzlich willkommen' ..." Kohl äußerte sich auch zu den Angriffen wegen der Spendenaffäre: "Wissen Sie, wenn die Sozis sagen, der Kohl ist ein Idiot, dann sage ich dazu gar nichts. Aber aus den eigenen Reihen ist das natürlich noch etwas ganz anderes." Schon vor Kohls Eintreffen hatten Diestel und Krause dem Altkanzler ihre Solidarität versichert - für ihn würden sie sogar wieder in der Politik mitmischen. Diestel bescheiden: "Es muss ja nicht gleich als Minister sein. Ich würde mich auch als Chauffeur zur Verfügung stellen."

DER SPIEGEL 17/2000
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