24.04.2000

RückspiegelZitate

Das „Deutsche Ärzteblatt“ zum SPIEGEL-Gespräch mit dem Präsidenten der Deutschen Krebsgesellschaft Lothar Weißbach über die Irrwege der Tumortherapie „Medizin - ,Die Ärzte haben versagt'"(Nr. 12/2000):
Das Timing hätte nicht besser sein können. Rechtzeitig zum Beginn des 24. Deutschen Krebskongresses in Berlin erschien im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL ein Interview mit dem Präsidenten der Deutschen Krebsgesellschaft, Prof. Lothar Weißbach (Krankenhaus am Urban, Berlin). Brisante Äußerungen, die mit der Gemütlichkeit eingefahrener Strategien im Kampf gegen den Krebs, mit Klinikroutine und gesundheitspolitischer Gesundbeterei auf- räumten - kämpferisch und wohl wissend, dass nur überspitzte Formulierungen heute noch aufrütteln. Die Rechnung ging auf. Statt sich über neue Substanzen, andere Dosierungen und Krebs im Allgemeinen zu unterhalten, diskutierten mehr als 5000 Kongress-Teilnehmer über die "Weißbach-Thesen". Weißbach hatte es gewagt, das auszusprechen, was insgeheim viele dachten, aber aus Rücksicht auf Kollegenreputation, auf Patienten und auf die Medien lieber nicht laut aussprachen. Der Kongress, von dem man bestenfalls eine Bestandsaufnahme erwartet hatte, bekam plötzlich eine Komponente, die - ungeachtet der inhaltlichen Richtigkeit der einzelnen Thesen - jedermann persönlich berührte, zum Nachdenken und streitbaren Gespräch motivierte ... Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer äußerte vor der Presse, sie wolle sich für verbesserte Rahmenbedingungen der von Weißbach geforderten interdisziplinären Kooperation einsetzen oder auch durch Förderung von Modellversuchen wie Brustkrebs-Früherkennung durch Screening. Sie wisse sehr wohl, dass es einen Konflikt zwischen ,,alles machbar" und zunehmenden Kostenbegrenzungen gebe. Hier sei die Mithilfe von Ärzten, Politikern und Krankenversicherungen gefragt.

DER SPIEGEL 17/2000
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