26.06.2000

AUTOINDUSTRIEPoker in Südkorea

Die Versteigerung des angeschlagenen südkoreanischen Autoherstellers Daewoo wird zu einer riesigen Pokerpartie, bei der General Motors, Ford und DaimlerChrysler in dieser Woche ihre Angebote abgeben. Die Kreditgeber des hoch verschuldeten Konzerns erstellen dann eine "short list" von zwei Interessenten, die Einblick in alle Fabriken und Bücher Daewoos erhalten. DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp könnte mit der Beteiligung an der Versteigerung einen geschickten Bluff inszenieren. Ein allzu ernstes Kaufinteresse an Daewoo kann er nach dem Einstieg seines Unternehmens beim südkoreanischen Hersteller Hyundai nicht mehr haben. Denn mit Hyundai ist DaimlerChrysler bereits am Marktführer bei Pkw (70 Prozent Marktanteil) und Nutzfahrzeugen (90 Prozent Marktanteil) beteiligt. Der mit schätzungsweise 7,5 bis 10 Milliarden Dollar verschuldete Daewoo-Konzern könnte die Position DaimlerChryslers in Südkorea jetzt kaum noch stärken. Zudem wäre eine Zusammenarbeit zwischen Hyundai und Daewoo schwierig, da sich das Management der beiden Unternehmen seit Jahren heftig befehdet. Die genaue Analyse des Konkurrenten Daewoo aber kann Schrempp nur von Nutzen sein. Und die Abgabe des Angebots verpflichtet DaimlerChrysler selbst dann nicht zum Kauf, wenn die Gebote der anderen Bieter darunter liegen.

DER SPIEGEL 26/2000
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