31.07.2000

GRÄBER„Frauen werden schneller vergessen“

Die Referentin der Hamburger Landeszentrale für politische Bildung, Rita Bake, 48, über ihre Anregung, auf dem Ohlsdorfer Friedhof eine Gedenkstätte für verdiente, aber vergessene Frauen zu schaffen
SPIEGEL: Sie möchten Frauen, die zu Lebzeiten prominent waren, eine gemeinsame Grabstätte verschaffen. Warum?
Bake: Vor zwei Jahren sollte das Grab der ersten Hamburger Oberschulrätin Emmy Beckmann aufgehoben werden. Wir suchten Sponsoren für die Verlängerung und stellten fest, dass die Gräber einiger Frauen, die Hamburgs Geschichte mitgeprägt haben, in Vergessenheit geraten waren. Da sind wir darauf gekommen, einen Garten der Frauen zu schaffen.
SPIEGEL: Wer soll dorthin umziehen?
Bake: Es wird niemand umgebettet, wir wollen nur die Grabmäler in einer gemeinsamen musealen Gedenkstätte aufstellen. Emmy Beckmann hat noch für zwei Jahre Verlängerung bekommen, aber anschließend könnte ihr Stein in den Garten der Frauen umsiedeln. Auch das Grabmal der Lehrerin Yvonne Mewis, die im Dritten Reich als Widerstandskämpferin hingerichtet wurde, soll dort stehen. Insgesamt haben wir derzeit sieben Frauen auf der Liste, aber es werden sicher mehr.
SPIEGEL: Wer wird diese Gedenkstätte finanzieren?
Bake: Ein gemeinnütziger Verein, dem selbstverständlich auch Männer beitreten können. Wir planen übrigens auch, einen Teil der Gedenkstätte für Frauengräber zu reservieren, die man vorbestellen kann.
SPIEGEL: Wieso diese Geschlechtertrennung? Sind nicht wenigstens im Tod alle Menschen gleich?
Bake: Leider nein. Weil die Leistungen von Frauen zu deren Lebzeiten oft nicht angemessen gewürdigt werden, werden sie nach dem Tod noch schneller vergessen als Männer.

DER SPIEGEL 31/2000
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