07.08.2000

UNION„Wir müssen dazulernen“

Michael Glos, CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, über seine Erfahrungen auf dem Parteitag der Republikaner in den USA.
SPIEGEL: Herr Glos, Sie waren beim Wahlparteitag der Republikaner in Philadelphia, haben dort auch mit Schatten-Vizepräsident Dick Cheney gesprochen. Können die deutschen Konservativen von Amerika lernen?
Glos: Sicher. Die zentralen Botschaften der Republikaner sind Ausbildung für alle, weniger Staat und mehr Freiraum für den Bürger und "family values": Die Familie und Familienwerte werden als kleinste Einheit und Keimzelle des Staates gefördert. Auf diese Aussagen muss sich auch die Union konzentrieren.
SPIEGEL: Mit dem Schlagwort "Konservativismus mit Herz" wirbt der republikanische Präsidentschaftskandidat George W. Bush um die Sympathien der Wähler. Ein Vorbild für die CDU?
Glos: Es kommt weniger darauf an, über Schlagworte zu reden, sondern bestimmte Werte vorzuleben. Konservativismus mit Herz betreibt die CSU in Bayern seit Jahren mit Erfolg. Die CDU muss nicht nach Amerika fahren, um Vorbilder zu finden.
SPIEGEL: In Philadelphia wurde ein riesiges Medienspektakel inszeniert. Sieht so der deutsche Wahlkampf der Zukunft aus?
Glos: Bei uns wird auch in Zukunft nicht so viel Geld verpulvert werden, weil wir ein ganz anderes System haben. Aber im Prinzip läuft es in die gleiche Richtung: Die Politik wird immer stärker auf die Medien und vor allem das Fernsehen ausgerichtet. Politiker werden nicht zuletzt wegen ihrer TV-Tauglichkeit in Ämter gewählt. Wie jemand rüberkommt, ist bei allen Parteien inzwischen mindestens so wichtig wie fachliche Kompetenz. Für die Regierungsarbeit von Bundeskanzler Gerhard Schröder spielen Fernsehauftritte eine weitaus größere Rolle als das Parlament. In puncto Inszenierung tun wir als Union uns da oft noch schwer, da müssen wir dazulernen.
SPIEGEL: Was hieße ein Sieg der Republikaner für die Union?
Glos: Die amerikanischen Parteien sind mit den deutschen kaum vergleichbar, aber ganz sicher stehen uns die Republikaner ein ganzes Stück näher als die Demokraten. Ein Sieg für Bush wäre deshalb auch gut für uns und ein wichtiges Signal, weil damit der Trend zu einer Vorherrschaft von Mitte-links-Regierungen in fast allen wichtigen Staaten der westlichen Welt gebrochen würde.

DER SPIEGEL 32/2000
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