07.08.2000

Am RandeBolle mobil

Nun endlich geht ein Ruck durch Deutschland. Die Spaßgesellschaft meint es ernst. Statt, wie bisher, nur "Wehret den Anfängen!" zu rufen, werden die Politiker militant. Die Bundesregierung will eine öffentliche Kampagne zu Gunsten der Zivilgesellschaft starten. Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz will "Prominente gegen rechts" mobilisieren, darunter den Entertainer Ron Williams. Und der Berliner grüne Politiker Bernd Köppl hat jetzt vorgeschlagen, Obdachlose mit Handys zu versorgen, auf Kosten des Sozialamts. Bei rund 20 000 Obdachlosen und 25 Mark pro Mann und Monat müsste die Stadt circa sechs Millionen Mark jährlich für den Service ausgeben. Nicht viel bei etwa 3,5 Milliarden Mark Sozialhilfe, die jetzt schon verteilt werden, aber genug, damit sich die Berliner aufregen, als wäre Bolle vom Milchwagen gefallen. "Ich frage mich, wozu ein Obdachloser immer erreichbar sein muss", zitiert die "BZ" eine junge Berlinerin. Hier kommt die Antwort: Weil eine mobile Existenz mobile Kommunikation nötig macht. Und weil ständig neue Handys auf den Markt kommen und die Hersteller nicht wissen, was sie mit den alten unverkauften tun sollen. Statt sie in die Dritte Welt zu schicken, könnte man sie Obdachlosen geben. Dann wären die nicht länger benachteiligt, denn die meisten Glatzen haben auch welche.
Die Frage ist: Wo sollen die Obdachlosen ihre Akkus aufladen? Daran hat der Grüne natürlich nicht gedacht. Es müssten mobile Stationen eingerichtet werden, betrieben mit Solarstrom. Das ist sicher und ökologisch unbedenklich.

DER SPIEGEL 32/2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


  • Mögliches Impeachment gegen Trump: "Die Sache ist längst nicht gelaufen"
  • Nancy Pelosi zu Impeachment-Anhörung: "Trump hat seinen Amtseid verletzt"
  • Skydiving: Tanz im freien Fall
  • Friedrich Merz auf dem CDU-Parteitag: "Ich bin dabei!"