07.08.2000

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Simones Entscheidung Montag, 20.15 Uhr, ZDF
Eine Nacht mit Iris Berben - nichts ist unmöglich. Aus Anlass ihres 50. Geburtstages feiert das ZDF die Schauspielerin. Im heutigen Film (Regie: Ulrich Stark) pendelt die attraktive Darstellerin zwischen zwei Männern in Hamburg und New York hin und her. Im dramaturgischen Gebälk der Geschichte knirscht es zwar mächtig, aber Berbens Lächeln führt über alle Abgründe des Hanebüchenen. Am Freitag, ebenfalls im ZDF, von 22.45 Uhr an, gibt es bis zum Morgengrauen die versprochene Berben-Nacht mit Episodenfilmen und einer frühen Serie ("Angelo und Luzy"), in der die schöne Iris als Teufel den Engeln Münchner Seelen abspenstig macht. Himmel oder Berben - vergesst das Paradies.
Hitlers Krieg im Osten Donnerstag, 21.45 Uhr, ARD
Der britische Fernsehhistoriker Laurence Rees schildert in dieser vierteiligen deutsch-englischen Dokumentation Hitlers Angriff auf die Sowjetunion. Schon im heutigen ersten Teil spart Rees nicht mit Vorwürfen gegen Stalin, der zu Beginn des Kriegs seine durch vorherige Säuberungen geschwächte Armee in aussichtslose Schlachten führte. Mehr als einmal, so enthüllt Rees, versuchte der sowjetische Diktator mit Hitler Frieden zu schließen. Auch in der Frage, ob er vor den Deutschen aus Moskau die Flucht ergreifen sollte, erwies sich Stalin als wankelmütig: Zunächst bereitete er seinen Rückzug Richtung Ural vor, dann besann er sich anders und ließ jede Fluchtabsicht aus Moskau heraus gewaltsam unterdrücken. Neues, auch farbiges Filmmaterial machen den Film sehenswert. Dass Rees' Methode, Hitler und Stalin mit den gleichen Maßstäben zu messen, Diskussionen auslösen werde, wie das Begleitheft des Senders voraussieht, bleibt zu hoffen.
Bundesliga Freitag, 20.00 /22.15 Uhr, Premiere/Sat.1
Ihr naht euch wieder, flankende Gestalten: Die Partie Dortmund - Rostock eröffnet die neue Saison.
Die Zauberflöte Freitag, 23.50 Uhr, Arte
Im Rokoko-Theater von Drottningholm verfilmte Ingmar Bergman 1974 die Mozart-Oper. Schon wenn die Kamera zur Ouvertüre über die Zuschauergesichter wandert, setzt die Verzauberung ein.
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Kein schöner Land Montag, 20.15 Uhr, ARD
Die Alb-Ödis der seichten Musi, Gunther Emmerlich, Günter Wewel und Ivan Rebroff, zu Sangesübungen am Vierwaldstätter See. Verächter murmeln den Wütli-Schwur: Armbrustpfeile müssen nicht immer den Apfel auf dem Kopf treffen, es geht auch tiefer. Alles nur eine Frage der Ein-Tellung.
Liebe auf den sexten Blick Montag, 22.15 Uhr, ZDF
Am Montag treibt's der Mainzelmann, dass Mutti sich nur wundern kann: Erotik steigt vom Lerchenberg herab. Allerdings verfehlt dieser französische Film (1998, Regie: Ariel Zeitoun) von der verklemmten Völkerkundlerin (Judith Godrèche), die bei der Erforschung des Paarungsverhaltens auf einen Balzebub der Extraklasse (Gérard Depardieu) stößt, mangels Witzes die Lustnorm.
Tschaikowsky - Genie und Wahnsinn Montag, 0.50 Uhr, ARD
Ken Russells Filmbiografie des großen russischen Komponisten (England 1970) fiel gnadenlos durch: "Konglomerat von verkitschter Sentimentalität, poppigen Panoptikumseffekten, blutigen Schreckenskammerszenen" ("Film-Echo").
Von Anfang an ... Wolfgang Petry Donnerstag, 20.15 Uhr, ARD
"Alles, was ich bin, habe ich euch zu verdanken", ruft der schnauzbärtige Schlagersänger im Holzfällerhemd seinem Publikum zu, und dem Betrachter fällt der grausam wahre Satz ein: Alle Gewalt geht vom Volke aus.
Matilda Sonntag, 20.15 Uhr, Sat.1
Ist ein kleines Mädchen (Mara Wilson), hat so große Geisteskräfte und leider so bescheuerte Eltern - der britische Kinderbuchautor Roald Dahl beschrieb zur Freude von vielen großen und kleinen Lesern voller Einfühlung, wie sich ein superintelligentes Mädchen aus der erstickenden Enge seiner Umgebung befreit. Hollywood macht aus der Vorlage vollends eine Karikatur: Danny DeVito chargiert als ignoranter Vater aus Leibeskräften, die böse Schulleiterin, Fräulein Knüppelkuh, wirkt wie dem Horrorfilm entliehen, und der Schabernack gehorcht dem "Poltergeister"-Muster. Dass kindliche Phantasie der schönste Unterhaltungsmotor ist, will der Film nicht wahrhaben.

DER SPIEGEL 32/2000
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