07.08.2000

UNTERWÄSCHEGenuss an und für sich

Als in den achtziger Jahren immer mehr Frauen in leitende Positionen vorrückten, stieg auch der Absatz eleganter Damenunterwäsche - wohl kaum, weil sich die Karrierefrauen an die bekannte großmütterliche Mahnung erinnerten, an jedem Tag frische und gut erhaltene Wäsche zu tragen, man könne ja vom Bus überfahren werden. Die Lust am schönen Dessous schien für Frauen eine Lust an sich geworden zu sein. Diese Tatsache Männern nahe zu bringen versucht die Modeforscherin Caroline Cox im jetzt bei Dumont erschienenen Prachtband "Dessous". Denn obwohl beispielsweise Calvin Kleins enormer Erfolg mit Männerunterwäsche beweist, dass inzwischen auch den Herren für ihre empfindlichen Teile das Beste gerade gut genug ist, herrscht doch Frauen gegenüber das Vorurteil, sie trügen Spitzenunterwäsche allein für ihre Männer. "Hast du an mich gedacht, als du das angezogen hast?", ist laut Cox eine von Frauen oft gehörte Frage. Mit dem Hang erfolgreicher Frauen zum exquisiten Dessous hat sich auch die Feministin Angela Carter beschäftigt: Sie gewönnen die hinter dem Schreibtisch und im alltäglichen Geschlechterkampf verlorene Weiblichkeit zurück, "indem sie in ihrer Wohnung umherstolzieren wie eine Grande Dame des horizontalen Gewerbes, selbst wenn keiner da ist, der sie bewundern kann".

DER SPIEGEL 32/2000
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UNTERWÄSCHE:
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