07.08.2000

GIBRALTARAngst vor Atom-U-Boot

In Gibraltar sorgt ein havariertes britisches Atom-U-Boot für Protestdemonstrationen der Bevölkerung und scharfe Kritik von Umweltschutzorganisationen. Die restriktive Informationspolitik der Briten sei "absolut unakzeptabel", kritisiert ein Sprecher von Greenpeace.
Seit fast drei Monaten liegt im Hafen der britischen Exklave die "HMS Tireless", die wegen eines Schadens im Kühlwassersystem des Reaktors nicht mehr seetüchtig ist - so zumindest lautet die offizielle Erklärung der Royal Navy für den unfreiwilligen Stopp der "Tireless" in Gibraltar. Der Halt an der Meerenge zwischen Afrika und Europa ist seltsam, denn der Hafen von Gibraltar ist für Reparaturen von atomgetriebenen U-Booten nicht zugelassen. Die Regierung in Gibraltar und Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace fordern deshalb, das Boot in einen ausreichend gerüsteten englischen Marinehafen schleppen zu lassen. Das haben die Briten bisher nicht veranlasst - was zu Spekulationen von Experten darüber führte, ob der Schaden größer sei als zugegeben. Die Regierung in Gibraltar hat nun Fachleute kommen lassen, die prüfen sollen, ob eine Reparatur im Hafen gefahrlos möglich sei. Der Atomingenieur John Large, neben anderen Fachleuten als Experte nach Gibraltar bestellt, erklärte dem SPIEGEL nach Begutachtung des U-Boots in der vergangenen Woche, die Angelegenheit sei "sehr sensibel".
Die britischen Behörden haben inzwischen eine Nachrichtensperre über die mysteriöse Havarie verhängt. Carlos Bravo, Mitarbeiter von Greenpeace in Spanien, fordert nun die britische Regierung auf, Klarheit über den gesundheitlichen Zustand der Bootsmannschaft und mögliche Gefahren für die Bevölkerung von Gibraltar zu schaffen. Im Juli haben 2000 Menschen in Gibraltar gegen das U-Boot in ihrem Hafen demonstriert, weitere Protestmärsche sind angekündigt.

DER SPIEGEL 32/2000
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