07.08.2000

RUSSLANDGrabenkrieg der Generäle

Ein schwerer Konflikt zwischen dem russischen Verteidigungsminister und seinem Generalstabschef blockiert die Militärreform. Die Säuberungen im Staatsapparat hat Russlands Präsident Wladimir Putin jetzt auf die Armee ausgedehnt. Sechs Generäle des Verteidigungsministeriums müssen ihren Abschied nehmen. Die Entlassenen gelten als enge Verbündete des Ministers Igor Sergejew, 62. Mit dem Rauswurf ergreift Putin die Partei seines Generalstabchefs Anatolij Kwaschnin, 53. Der Armeegeneral führt bereits seit Monaten Kleinkrieg gegen seinen Vorgesetzten: Von Putin hatte Kwaschnin im Frühjahr gefordert, 16 Divisionen der strategischen Raketentruppen bis 2003 aufzulösen und rund 100 000 Spezialisten dieser Einheiten zu pensionieren. Sergejew hatte bis zu seiner Minister-Ernennung im Mai 1997 fünf Jahre lang die Raketenverbände kommandiert. Sie sind bis heute seine Lieblingstruppe und partizipieren mit 13,8 Prozent am Verteidigungsetat. Nach der Reduzierung der einsatzbereiten landgestützten Interkontinentalraketen auf 150 (gegenwärtig 756) möchte Kwaschnin die eingesparten Mittel lieber in konventionelles Schießzeug stecken. Diese Reformidee behagt auch dem Präsidenten. Denn eine mit Panzern und Artillerie aufgerüstete Armee taugt zur inneren Eingreiftruppe, wie Putin sie sich wünscht. Ob der Kreml dem Haudegen Kwaschnin, der mit seinem Amtschef nur noch schriftlich verkehrt, seinen Wunsch erfüllen kann, Minister zu werden, scheint zweifelhaft. Weder die Mehrheit der Moskauer Generalität noch die meisten Militärpolitiker der Duma mögen sich mit einer reduzierten atomaren Abschreckung abfinden - und schon gar nicht mit der Insubordination des Generalstabschefs.

DER SPIEGEL 32/2000
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