28.08.2000

UMWELTPleite für Rot-Grün?

Der Regierungskoalition droht eine neue Schlappe in der Umweltpolitik: Noch im September wird der Europäische Gerichtshof in Luxemburg voraussichtlich urteilen, dass die von der Regierung verabschiedeten und geplanten Gesetze zur Förderung von umweltfreundlichem Strom nicht Europa-konform sind. Auf Anweisung der Brüsseler Kommission wird Berlin dann bereits gezahlte Beihilfen in Millionenhöhe von Windmüllern und anderen Erzeugern alternativer Energie zurückfordern müssen.
Die Rot-Grünen fördern Wind-, Sonnen- und Kraftwärmestrom, indem sie die Energieversorger zwingen, umweltfreundlich erzeugten Strom zu Preisen zwischen 15 und 99 Pfennig (je nach Herkunft) aufzukaufen. Die Firmen legen die Mehrkosten auf alle Stromkunden um.
Auch wenn die Förderung somit von den Verbrauchern und nicht von den Steuerzahlern finanziert wird, ist sie nach Brüsseler Ansicht eine Beihilfe - und muss daher von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti genehmigt werden. Zudem hat die EU-Kommission von Anfang an bemängelt, die Förderung sei zu hoch, und 20 Jahre Förderdauer seien viel zu lang. Doch der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck dekretierte, was vom Stromkunden bezahlt werde, sei niemals eine Beihilfe, und trieb gemeinsam mit den Grünen die Projekte voran.
Wettbewerbskommissar Monti hat jüngst ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Seitdem zahlen viele Energieunternehmen die Stromvergütung an die Windmüller nur noch unter Vorbehalt aus.

DER SPIEGEL 35/2000
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