28.08.2000

IMMOBILIENKriminelle Energie

Bei einer der größten Immobilienpleiten Deutschlands, dem Zusammenbruch des Fonds-Auflegers Wohnungsbaugesellschaft Stuttgart (WGS), stehen die Ermittler drei Jahre nach dem Konkurs unmittelbar vor der Anklage gegen zwei Manager und den Treuhänder der Fonds. Bei der Pleite hatten ersten Angaben zufolge 10 000 von insgesamt 42 000 Anlegern 117 Millionen Mark verloren. Insider schätzen den Schaden auf rund eine Milliarde Mark. Im Bericht des Landeskriminalamts Baden-Württemberg zur WGS wird vor allem Ex-Geschäftsführer Klaus Neuschwander "kriminelle Energie" bescheinigt. Der in Untersuchungshaft sitzende WGS-Chef soll den Anlegern Provisionskosten für den Vertrieb der Anteile verschwiegen haben - allein bei fünf überprüften Fonds 36,1 Millionen Mark. Ferner werfen ihm die Ermittler vor, Daten über den Vermietungsstand von Immobilien manipuliert, Fonds vor dem Verkauf aller Anteile geschlossen und noch bei Zahlungsunfähigkeit der WGS Anteile verkauft zu haben. Er habe sogar einen Fonds zu einem Projekt platziert, dessen Ausführung später fünf Stockwerke weniger hatte als auf dem Papier. Neuschwander hat die Vorwürfe bestritten. Im Zwielicht steht auch die landeseigene L-Bank, die einen großen Teil der Anteilszeichner finanzierte. Gegen sie läuft ein Ermittlungsverfahren. Die Bank soll bei der WGS darauf bestanden haben, für die Erfüllung von Mietgarantien kritischer Fonds Gelder aus einem anderen Fonds abzuzweigen. Dessen Anleger erfuhren davon nichts. Die L-Bank konnte den Vorgang nicht erklären.

DER SPIEGEL 35/2000
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