28.08.2000

COMICS„Alles Banane“

„Werner“-Erfinder Rötger Feldmann, 50, über seinen Einstieg ins US-Geschäft
SPIEGEL: Gemeinsam mit der Firma Platinum Studios wollen Sie demnächst 26 Kurzfilmchen für das Internet und das amerikanische Fernsehen produzieren. Mutiert die schleswigholsteinische Comic-Knolle Werner zum US-Kid?
Feldmann: Polizisten heißen dann eben Sheriffs. Aber ansonsten wird Werner der gleiche freiheitsliebende Motorradschrauber bleiben. Das mögen sicher auch die Amis ...
SPIEGEL: ... von denen Sie sagen, die seien "zu blöd, am Strand Bier zu saufen".
Feldmann: Stimmt ja auch, bei all den Gesetzen dort. Aber es gibt auch jede Menge Profis, die ihr Handwerk verstehen. Animatoren zum Beispiel. Wer die Welt erobern will, muss in die USA, statt sich in Europa abzustrampeln. Das ist cooler.
SPIEGEL: Entsteht da am Ende nicht doch nur Fabrikware wie aus einer der üblichen Comic-Retorten?
Feldmann: Nee, nee, das werden wir schon genau beobachten. Wenn uns was nicht gefällt, sagen wir das auch.
SPIEGEL: Bislang galt Werner in den politisch korrekten USA als unverkäuflich.
Feldmann: Filme wie "Verrückt nach Mary" oder "American Pie" haben bewiesen, dass es eine Gegenbewegung gibt. Die Amis schwärmen mehr denn je von einem freien Leben. Und ich verspreche: Unser US-Werner wird noch viel schlimmer als der alte.
SPIEGEL: So schlimm wie Ihr Börsenkurs?
Feldmann: Der ist mir ziemlich egal. Wir hatten gerade die dritte Hauptversammlung, und ich sitze da ja im Aufsichtsrat rum. Ist alles ein bisschen Banane.
SPIEGEL: Die Achterbahn-Aktie verlor seit Januar ein Drittel ihres Werts.
Feldmann: Deshalb heißen wir Achterbahn, weil wir bereit sind, mal richtig in die Talsohle zu kacheln. Das bringt ja erst das nötige Tempo für den Höhenflug.

DER SPIEGEL 35/2000
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