28.08.2000

OLYMPIA„Ein bisschen wie Netzer“

Entertainer-Veteran Joachim „Blacky“ Fuchsberger, 73, über seine Rolle als Co-Moderator der ARD bei den Olympischen Spielen in Sydney
SPIEGEL: Herr Fuchsberger, warum tun Sie sich diesen Stress noch an?
Fuchsberger: Das ist kein Stress, eher eine große Freude. Ich bin seit der Entscheidung, dass Sydney die Olympischen Spiele 2000 ausrichten wird, in der Stadt und beobachte die Vorbereitungen. Ich habe die Entstehung des gesamten olympischen Geländes miterlebt. Die Ups and Downs, die guten Vorsätze und was von ihnen auf der Strecke blieb, wie viele Menschen sich krumm gelegt haben. Über all das drehe ich seit fast vier Jahren Beiträge für die ARD-Reihe "Terra australis".
SPIEGEL: Und was machen Sie als Co-Moderator?
Fuchsberger: Ich nehme an, dass ich als Kenner Australiens immer dann gefragt werde, wenn der Moderator sich nicht so gut auskennt. Seit 1983 ist Australien ja meine zweite Heimat. Ich habe gehört, dass ich mit Gerhard Delling zusammenarbeite. Meine Aufgabe ist dann wohl ein bisschen so wie die von Günter Netzer.
SPIEGEL: Sie waren 1972 Stadionsprecher bei den Spielen in München, weil Sie eine Wette gewonnen hatten.
Fuchsberger: Ja, das war eine lustige Geschichte. Ich hatte mit Hans-Jochen Vogel, dem damaligen Oberbürgermeister von München, gewettet, dass er die Spiele bekommt. Er war nämlich sehr skeptisch, sagte aber: "Wenn wir gewinnen, sind Sie mein Maskottchen." Das war der Beginn meiner Karriere als Sprecher. Ich habe dann die Eröffnungs- und Schlussfeier moderiert und leider auch diese furchtbare Trauerfeier.
SPIEGEL: Verfolgt Sie die Erinnerung daran noch heute?
Fuchsberger: Ja. Als wir dasaßen vor den Trümmern unserer Hoffnung auf wunderschöne, friedliche Spiele, sagte der damalige deutsche Olympia-Chef Willi Daume: "Sie haben uns die Seele aus dem Leib geschossen." Es gibt keinen besseren Satz zum Geschehen. Darum wünsche ich mir vom Grunde meines Herzens, dass die Spiele in Sydney friedlich bleiben und nicht irgendwelche Wahnsinnigen versuchen werden, Bomben zu legen oder Geiseln zu nehmen. Und ebenso wünsche ich mir einen großen Schritt vorwärts auf dem Weg der Versöhnung zwischen den Aborigines und den Weißen.

DER SPIEGEL 35/2000
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