28.08.2000

BALKANÖl für Belgrad

Belgrads Despot Slobodan Milosevic hatte bislang im benachbarten Kroatien ein profitables Schlupfloch gegen die internationalen Handelssanktionen gefunden: Ein nicht unbedeutender Teil des Öl- und Zigarettenschmuggels seines Familien- und Freunde-Clans lief über kroatische Mittelsmänner und mit Billigung des im vergangenen Dezember verstorbenen Kroatenführers Franjo Tudjman. Dies belegen neue Dokumente aus den Archiven des Zagreber Geheimdienstes HIS - bis vor kurzem noch fest in der Hand des Tudjman-Sohns Miroslav. So wurden jahrelang heimlich Zigaretten und dringend benötigtes Erdöl über die Donau verschifft. Damals hatte der Westen ein generelles Handelsembargo über Serbien verhängt. Belgrad bezahlte meist mit Stromlieferungen an Kroatien. Selbst als die westliche Staatengemeinschaft im Herbst 1998 Belgrad mit Militärschlägen drohte, sollte Serbien in der Kosovo-Frage nicht einlenken, versuchte sich Tudjman noch mit Gegenspieler Milosevic zu arrangieren. Eine Zagreber Firma bekam damals den Auftrag, Stromanlagen nach Belgrad zu liefern. Der Deal platzte erst im letzten Moment, als die Nato ihre Drohung mit dem Luftschlag gegen Serbien im Frühjahr 1999 wahr machte. Danach wurde auch Tudjman jedes illegale Geschäft mit Belgrad zu heiß.

DER SPIEGEL 35/2000
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