28.08.2000

KUNSTTote Herzen, lange Nasen

Das Grundmuster stammt aus dem Metzgerladen. Doch über die blutroten Filetstücke legt die Kölner Künstlerin Rosemarie Trockel karg gestrichelte Menschenbilder - so, dass etwa zwischen den Schenkeln der Frau oder bei der phallischen Krawatte des Herrn nacktes Fleisch aufscheint. Die Biennale-Teilnehmerin 1999 huldigt damit dem US-Illustrator Frank Netter (1906 bis 1991), der ganzen Ärzte-Generationen lehrreiche Einsicht in den Menschenleib verschafft hat. Nun regt sein Vorbild freischaffende Zeitgenossen zu eigenen Doktorspielen an: Für den Stuttgarter Thieme-Verlag, der seit 25 Jahren Netter-"Farbatlanten der Medizin" auf den deutschen Markt bringt, legen zehn Amerikaner, Briten und Deutsche je acht Cover-Entwürfe vor. Einer pro Künstler dient tatsächlich als Einband für die zur Buchmesse geplante zehnbändige Netter-Sonderausgabe, je zehn Siebdrucke in einer Kassette ergänzen das Angebot zur "Netter Artcollection" (Subskription: 20 000 Mark). Jeder Entwerfer fasst den Geist der Medizin für ein bestimmtes Fachgebiet. Während Trockel, auch mit Zeichnungen langer Pinocchio-Nasen, den Bereich "Geschlechtsorgane" abdeckt, symbolisiert Künstler-Kardiologe Peter Halley lebende und tote Herzen durch geometrische Farbfelder, und Thomas Grünfeld montiert Teile des "Bewegungsapparats" am Computer zu bizarren Monsterwesen.

DER SPIEGEL 35/2000
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