28.08.2000

BIO-FOTOGRAFIEKontrast im Kunstrasen

Als die britischen Künstler Heather Ackroyd und Daniel Harvey eine vergessene Leiter vom Rasen lüpften, waren im Gras, das unter dem Gerät lichtlos vegetierte, das Chlorophyll abgebaut und die Stängel gelb verblichen. Der Schwund des grünen Farbstoffs, mit dessen Hilfe Pflanzenzellen Lichtenergie tanken, brachte die Kreativen aus der Heimat der Rasenmaniacs auf den Zusammenhang von Fotografie und Fotosynthese. Aus Grassamen, unterschiedlich belichtet wie ein Film, lassen Ackroyd und Harvey verblüffend präzise Porträts und Bilder emporsprießen - gelbgrün statt schwarzweiß. Um ihren Werken längere Haltbarkeit zu verleihen, arbeiten die Schöpfer der botanischen Artefakte mit Wissenschaftlern eines Grasforschungsinstituts in Wales zusammen. Dort haben Forscher ein immergrünes Gras gefunden, dem ein Schlüsselenzym zum Abbau des grünen Farbstoffs fehlt. Dem Kontrast-Reichtum der Grasbilder kommt die Gen-Macke der Halme sichtlich zugute: Das Sattgrün bleibt selbst in getrockneten Werken über viele Monate frisch. Zu sehen ist der Kunstrasen jetzt in der New Yorker Ausstellung "Paradise Now: Picturing the Genetic Revolution" (bei Exit Art, ab 9. September). Weitere Exponate: Farbenfrohe Magnetresonanzbilder vom Mäusegehirn, Gemälde mit wolkig wuchernden Bakterienkulturen und ästhetisch reizvolle Zeichnungen bedrohter Froscharten.

DER SPIEGEL 35/2000
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