28.08.2000

BOTANIKVirus im Roggen

Klassisches Graubrot könnte in naher Zukunft zur Luxusbackware werden. Hilflos müssen Landwirte in Europa mit ansehen, wie zwei verschiedene Viren die Roggenernte dezimieren. In einigen Regionen ist nach Einschätzung der Biologischen Bundesanstalt in Braunschweig der Roggenanbau schon jetzt wegen totaler Verseuchung der Felder durch die Erreger vom Typ der Mosaikviren stark gefährdet. Experten rechnen mit Ertragseinbußen von bis zu 70 Prozent. Auch der häufiger vorkommende Weizen ist Angriffsziel des Erreger-Duos, das sich im Gepäck eines Bodenpilzes über die Äcker ausbreitet. Schon einmal beobachteten Forscher den Angriff von Killerviren auf Getreide. Als vor einigen Jahren das Gelbmosaikvirus die Gerste heimsuchte, kam der Anbau nur deshalb nicht zum Erliegen, weil sich rasch resistente Sorten fanden. Eine Resistenzzüchtung bei Roggen und Weizen schätzen die Pflanzenkundler aber als äußerst ungewiss ein: Die Viren können über 50 Jahre in der Ackerkrume nisten.

DER SPIEGEL 35/2000
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