25.09.2000

OLYMPIADoping spaltet das deutsche Team

Weit stärker als bisher bekannt, belastet das Thema Doping die deutsche Olympia-Mannschaft in Sydney. Mehr als ein Drittel der 26 Trainer im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) sind Beschuldigte in Doping-Verfahren gewesen. Dazu zählen der Hürden-Coach Eberhard König, der Speerwurf-Fachmann Bernd Bierwisch und Mehrkampf-Trainer Klaus Baarck. Die Vorwürfe spalten die Mannschaft in Ost und West - alle Betroffenen stammen aus der Ex-DDR.
In dem ausgerechnet am Eröffnungstag veröffentlichten, noch nicht rechtskräftigen Urteil der Großen Strafkammer des Landgerichts Berlin gegen die ehemaligen DDR-Sportführer Manfred Ewald und Manfred Höppner, die wegen Beihilfe zur Körperverletzung im Juli zu 22 und 18 Monaten Haft verurteilt worden waren, werden einige der Trainer als Beispiele für Doping-Sünder genannt. Der DLV hatte den Einsatz der Belasteten als Olympia-Trainer für unbedenklich erklärt.
Der Betreuer der Speerwurf-Medaillenhoffnung Tanja Damaske, Lutz Kühl, hatte, wie es in der 72-seitigen Urteilsbegründung heißt, einst die Berliner Diskuswerferin Dörte Bornschein, heute 29, mit Anabolika versorgt. Obwohl sie unter Nebenwirkungen litt, musste die Werferin weiter die Mittel schlucken. Besonders brisant ist der Fall des Bundestrainers der Kugelstoßerinnen, Klaus Schneider. Er wurde in der polizeilichen Vernehmung von Kathrin Neimke, 34, beschuldigt, Pillen verteilt und auf die Nebenwirkungen nicht hingewiesen zu haben. Mit Schneider zusammen war Neimke noch bei den Spielen 1992 Dritte und 1996 Siebte geworden.
Einigen Betreuern gelang es indes, sich noch vor Sydney aus der Affäre zu ziehen. Sie hatten durch Zahlung einer Geldbuße eine Verurteilung vermieden. Auf diese Weise ist etwa auch das Verfahren gegen Jürgen Tiedtke, der als Weitsprung-Coach seiner Tochter Susen zum Olympia-Team zählt, mittlerweile eingestellt worden. Gegen andere wurde das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt.

DER SPIEGEL 39/2000
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Doping spaltet das deutsche Team

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