25.09.2000

ENTSCHÄDIGUNGUnglaubliche Fehler

Nach dem Olympia-Attentat von München vor 28 Jahren, bei dem elf israelische Sportler nach dem Überfall eines palästinensischen Terrorkommandos ums Leben kamen, sollen deren Angehörige möglicherweise doch Entschädigung aus Deutschland erhalten. Eine israelische Verhandlungsdelegation traf sich deshalb vor zehn Tagen mit dem bayerischen Staatskanzleichef Erwin Huber. "28 Jahre ist nichts geschehen, es wird Zeit, dass wir die Sache endlich bereinigen", so der israelische Verhandlungsführer, Präsidialamtschef Arie Schumer. In einer gemeinsamen Kommission mit der Bundesregierung und der Stadt München will Bayern nun prüfen, wie und in welcher Höhe die Angehörigen unterstützt werden können. Bisher hatten die deutschen Stellen jede Forderung der Familien zurückgewiesen, die den Tod von mindestens neun der elf Sportler dem Versagen der deutschen Sicherheitskräfte beim Rettungseinsatz anlasten - fatale Pannen, die der Oscar-gekrönte Film "Ein Tag im September" erstmals umfassend dokumentiert. "Alle Welt kann jetzt die unglaubliche Kette der Polizeifehler sehen", klagt Ankie Spitzer, Witwe des bei der Geiselbefreiung getöteten Fechttrainers André Spitzer, "wie können sie sich immer noch vor ihrer Verantwortung drücken?" Auf ein Eingeständnis der Fehler werden die Hinterbliebenen, die vor Gericht bisher vergebens gegen den Freistaat Bayern, die Bundesrepublik und die Stadt München um Schadensersatz in Höhe von 14,4 Millionen Mark fochten, warten müssen. "Unsere Gesprächspartner", so Schumer, "haben uns klargemacht: Wenn Deutschland jetzt zahlt, dann ist das eine rein humanitäre Geste."

DER SPIEGEL 39/2000
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