20.11.2000

EURO-SCHWÄCHEStreit um Ost-Mark

Für seine Äußerungen zur Euro-Schwäche muss der Chef des renommierten Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, heftige Kritik einstecken. Sinn zufolge belastet vor allem der Verkauf von Mark-Beständen in Osteuropa den Euro. Dort sind 60 bis 80 Milliarden Mark im Umlauf, in Bosnien-Herzegowina, im Kosovo und in Montenegro ist die Mark sogar offizielle Währung. Wegen der Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Umtausch in Euro, so Sinn, wechseln schon jetzt viele Osteuropäer ihre Mark-Ersparnisse in Dollar - und schwächen so den Euro. Andere Geldmarktexperten bezweifeln das. "Wir haben keine Anzeichen, dass im Ausland gehaltene Mark-Bestände derzeit verstärkt in Dollar getauscht werden", sagt Edgar Meister, Mitglied des Direktoriums der Bundesbank. Auch der Chefanalyst der Hessischen Landesbank, Folker Hellmeyer, hält Sinns Thesen für falsch: "Solange nicht China die Mark als Währung einführt, ist der Effekt auf den Euro marginal." Viele Experten, darunter Thomas Mayer von Goldman Sachs, machen dagegen den hohen Kapitalabfluss aus Europa - seit Januar immerhin über 100 Milliarden Euro - für die Schwäche der Währung verantwortlich.

DER SPIEGEL 47/2000
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EURO-SCHWÄCHE:
Streit um Ost-Mark