11.12.2000

ÖFFENTLICHKEIT„Da läuft eine Kampagne“

Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf über Prominenz und Presse und die Nachstellungen des Bauer-Verlags
SPIEGEL: Frau Schröder-Köpf, Sie haben sich beim Bauer-Verlag darüber beschwert, wie über Sie berichtet wird. Müssen Sie nicht als Frau des Bundeskanzlers damit leben, eine Figur des öffentlichen Interesses zu sein?
Schröder-Köpf: Ja. Aber in den vergangenen Monaten wird in einer Form über uns geschrieben, die wir nicht akzeptieren können. Berichten heißt, über etwas zu sprechen oder zu schreiben, was wirklich stattgefunden hat. In einigen Zeitschriften des Bauer-Verlags aber werden über mich und meinen Mann Geschichten frei erfunden.
SPIEGEL: Zum Beispiel?
Schröder-Köpf: Da wird eine Titelgeschichte gemacht "Baby-Drama" bei den Schröders. Es gab nie ein Baby-Drama. Oder diese Irrsinnserfindung von der "blonden Leibwächterin", die meinem Mann angeblich zu nahe gekommen sei. Das ist, wenn man dieses altmodische Wort benutzen darf, ehrabschneidend.
SPIEGEL: Sie erwägen juristische Schritte gegen den Bauer-Verlag?
Schröder-Köpf: Wir haben es erst auf friedlichem Weg versucht, vergeblich. Jetzt werden wir uns mit Anwälten zusammensetzen. Wenn es nicht im Guten geht, müssen wir uns anders wehren.
SPIEGEL: Sie fordern eine Debatte über "journalistische Grenzen". Wo ziehen Sie persönlich diese Grenze?
Schröder-Köpf: Ganz klar beim Kind. Wenn jemand in die Schule meiner Tochter eindringt, werde ich rabiat. Wir können auch nicht akzeptieren, dass Personen aus dem Umfeld meines Mannes, die einfach ihre Arbeit machen, in den Schmutz gezogen werden. Im Team der Personenschützer gibt es zwei Beamtinnen. Diese Frauen, die mit ihrem Polizistengehalt nicht wirklich entschädigt werden für die Gefahren, denen sie jeden Tag ausgesetzt sind, müssen sich jetzt solche Verleumdungen gefallen lassen. Das geht zu
weit und hat einen extrem frauenfeindlichen Ansatz.
SPIEGEL: Verschaffen Sie mit einer Klage den Gerüchten nicht zusätzliche Aufmerksamkeit?
Schröder-Köpf: Was ist die Alternative? Sich alles gefallen zu lassen? Die Dichte derartiger Veröffentlichungen wurde einfach unerträglich. Vielleicht muss man auch einfach mal klar sagen: Auch für die Yellow Press gelten Gesetze.
SPIEGEL: Als kürzlich der "Bild"-Kolumnist Graf Nayhauß über Eheprobleme des Außenministers spekulierte, rätselte ganz Berlin mit. Haben nicht längst alle Medien ihre Unschuld in Sachen Respekt für die Privatsphäre verloren?
Schröder-Köpf: Es gibt diese Tendenz, aber es bleiben doch große Qualitätsunterschiede. In den seriösen Medien herrscht zum Glück eine gewisse Scheu, verleumderische Gerüchte zu veröffentlichen.
SPIEGEL: Sie möchten die Medien auf Distanz halten, andererseits nutzen Sie sie bisweilen gezielt, um Botschaften zu transportieren - wie jüngst in der BSE-Krise, als Sie in der "Bild"-Zeitung fragten: "Was mache ich meiner Familie jetzt zu essen?"
Schröder-Köpf: Als politischer Mensch habe ich natürlich eine Meinung, und manchmal sage ich die auch. Das kann man finden, wie man will - ein Gastkommentar zum Thema BSE gibt aber niemandem das Recht, über mich und meine Familie Lügen zu verbreiten.
SPIEGEL: Haben Sie, als ehemalige Journalistin, den Eindruck, dass das Interesse am Privatleben von Prominenten zugenommen hat?
Schröder-Köpf: Das kann ich nicht beurteilen. Mich interessiert das Privatleben fremder Leute nicht, ich habe ein spannendes eigenes Leben.
SPIEGEL: Eine Geschichte über die Trennung des Dream-Teams Boris und Barbara Becker hätte Sie als Journalistin nicht gereizt?
Schröder-Köpf: Ich war politische Redakteurin, also auf einer anderen "Baustelle" tätig. Natürlich hat man privat über solche Themen gesprochen. Und es ist legitim, über eine Trennung zu berichten, wenn die Betroffenen sie selbst öffentlich gemacht haben. Aber üble Gerüchte bedenkenlos zu veröffentlichen - Mitglieder der vorherigen Bundesregierung blieben davon auffällig verschont.
SPIEGEL: Sie vermuten dahinter politische Interessen?
Schröder-Köpf: In den letzten Wochen sind diese dreisten Lügen so massiv aufgetreten, dass wir den Eindruck haben: Da läuft eine Kampagne mit dem Ziel, meinen Mann herabzusetzen. Das Muster ist immer das Gleiche: Er ist der Böse, der es sich in Berlin gut gehen lässt, ich bin das arme Hascherl, das allein in Hannover sitzt und leidet. Ich habe inzwischen den Verdacht, dass diese Gerüchte durchaus auch von interessierter Seite von Berlin aus gestreut werden.
SPIEGEL: Wer ist für die Grenzziehung verantwortlich: nur die Journalisten, oder sind es auch die Polit-Promis selbst? Rudolf Scharping etwa drängt mit seiner neuen Liebe geradezu in die Öffentlichkeit.
Schröder-Köpf: Jeder geht damit anders um. Entscheidend sind die Grenzen, die man selbst zieht. Wir haben klar gesagt: Wir möchten nicht, dass unser Kind fotografiert wird. Wir nehmen Klara nie mit zu öffentlichen Veranstaltungen, haben uns entschieden, sie ganz herauszuhalten. Sie soll möglichst unbelastet vom Beruf meines Mannes aufwachsen. Das hat auch konkrete Sicherheitsgründe: Ich möchte nicht, dass meine Tochter ins Visier von Verrückten oder Kriminellen gerät.
SPIEGEL: Haben Sie mit ihr darüber gesprochen?
Schröder-Köpf: Klara weiß Bescheid. Ich erzähle ihr, was geschrieben wird, damit sie nicht unvorbereitet in der Schule darauf angesprochen wird. Ich kann die Geschichten ohnehin nicht von ihr fern halten. Einer Zehnjährigen, die lesen kann, fällt immer mal etwas in die Hände, sei es, dass Freundinnen etwas mitbringen, was sie bei der Oma gefunden haben, oder dass sie selbst einen solchen Titel entdeckt, wenn sie am Kiosk einen Lutscher kauft.
SPIEGEL: Überlegen Sie heute genau, wem Sie was erzählen?
Schröder-Köpf: Ich war von Anfang an vorsichtig. Aber ich will auch nicht überziehen. Die meisten Menschen sind freundlich, ohne böse Absicht. Ich möchte mich nicht völlig abkapseln.
SPIEGEL: Haben Sie daran gedacht, doch noch von Hannover nach Berlin zu ziehen, um den Gerüchten zu begegnen?
Schröder-Köpf: Nein. Zum einen ist Niedersachsen die politische Heimat meines Mannes. Außerdem leben hier viele alte Freunde, diese Vertrauensbasis möchten wir nicht missen. Halb Hannover ist ohnehin schon mit Autogrammkarten versorgt, da können wir auch mal relativ unbehelligt in den Zoo gehen. Zudem bin ich mit meiner Tochter schon so häufig umgezogen. Übrigens: Berlin ist wirklich nicht so weit weg. Wenn wir kein Problem damit haben zu pendeln, sollten sich andere darüber auch nicht den Kopf zerbrechen. INTERVIEW: SUSANNE FISCHER
Verdeckte Recherche
Er gab sich aus als Vater, der seine Tochter abholen wollte. Tatsächlich aber war der Mann, der sich kürzlich in eine Grundschule in Hannover einschlich, Journalist. Sein Ziel: Klara, die Tochter der Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf. Im Schulgebäude sprach der verdeckte Rechercheur von der Zeitschrift "Das Neue", die im Hamburger Bauer-Verlag erscheint, eine Reinigungskraft und den Hausmeister an, ob sie Klara kennen und wie die denn so sei. Klara selbst war zu dem Zeitpunkt nicht mehr in der Schule - ihre Mutter hatte sie kurz zuvor abgeholt. "Sonst hätten auch Sicherheitsvorkehrungen verhindert, dass der Mann überhaupt hineinkommt", sagt Schröder-Köpf.
Die Kanzlergattin schrieb einen Brief an den Verleger Heinz Bauer, in dem sie auch wiederholte Veröffentlichungen über angebliche Eheprobleme der Schröders und vermeintliche Affären des Kanzlers monierte. Am vergangenen Donnerstag kam Bauers Antwort. Er akzeptiere die Beschwerde über Recherchen in der Privatsphäre ihrer Tochter und werde solche künftig verhindern. Im Übrigen aber könne er "nicht erkennen, dass Sie einen besonderen Grund zur Klage haben könnten".
* Im Februar 1999 auf einer Modeveranstaltung in Frankfurt am Main. * Oben: im August 1999 in ihrem Urlaubsdomizil im italienischen Positano; unten: am 1. Dezember beim Presseball in Bonn.
Von Susanne Fischer

DER SPIEGEL 50/2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 50/2000
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

ÖFFENTLICHKEIT:
„Da läuft eine Kampagne“

  • Surflegende Slater erhält Höchstwertung: "Wollte eigentlich eine andere Linie fahren"
  • Autogramm: Seat Mii Electric: Kleines Vorspiel
  • Jungfernflug in Kanada: Erstes E-Verkehrsflugzeug hebt ab
  • Warschau: Riesige Dampfwolke legt sich über die Stadt