11.12.2000

BANK OF ENGLANDProminente Geprellte

Zu den leidgeplagten EM.TV-Investoren gehört auch die Bank of England. Die altehrwürdige Zentralbank des Königreiches hat im Juli vergangenen Jahres zehn Millionen Euro in einen so genannten Private Equity Fonds der Deutschen Bank investiert. Der Fonds mit dem Namen European Partners IV LP und einem Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Euro wiederum kaufte kurz darauf für rund 300 Millionen Euro 12,5 Prozent am Formel-1-Geschäft von Bernie Ecclestone - die er Anfang April dieses Jahres an EM.TV weiterverkaufte. Bezahlt wurde dabei nicht in bar, sondern in Aktien. Das EM.TV-Papier notierte damals bei etwa 90 Euro - was einem Gewinn von 63 Prozent entsprach. Einziger Haken: Die Aktien durften drei Monate lang nicht verkauft werden. Anfang Juli aber kosteten die EM.TV-Aktien nur noch 64 Euro, und die Fondsmanager beschlossen, die Aktien zu halten. Doch die Papiere fielen weiter. Mittlerweile sind aus dem Buchgewinn dieses Geschäfts - Anfang April immerhin knapp 400 Millionen Mark - mehr als 500 Millionen Mark Verlust geworden. Entsprechend ihrem geringen Anteil am Fondsvermögen verliert die Bank of England etwa vier Millionen Mark. Schwacher Trost: Viele der über 50 Investoren haben weitaus mehr Geld versenkt, allen voran die Deutsche Bank knapp 150 Millionen Mark, gefolgt von einem kuweitischen Investor und einigen italienischen Versicherungen, die jeweils zweistellige Millionenbeträge abschreiben müssen. Die Bank of England wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern. "Private Investitionen im Auftrag des Schatzmeisters", so eine Sprecherin, "kommentieren wir nicht."

DER SPIEGEL 50/2000
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