11.12.2000

MDRNeuer Ärger

Kurz bevor das sächsische Parlament am Donnerstag über die Erhöhung der Rundfunkgebühren abstimmt, gerät MDR-Intendant Udo Reiter weiter unter Druck. So erneuerte der Präsident des Landesrechnungshofs Sachsen-Anhalt, Horst Schröder, seine Kritik an der Auslagerung vieler MDR-Unternehmensteile unter dem Dach der Drefa Media Holding: "Das Ziel, dadurch den MDR zu entlasten, ist definitiv nicht erreicht worden." Stattdessen würden manche der Tochterunternehmen am Rande der Pleite wirtschaften und auf Kosten des MDR subventioniert. Auch mit Reiters Antwort auf ein entsprechendes Rechnungshof-Dossier zeigt sich Schröder unzufrieden. "Herr Reiter hat völlige Transparenz versprochen und will sie jetzt nicht mehr gewährleisten." Den Vorsitzenden der Landtagsfraktionen sollen die Vorbehalte des Rechnungshofs nun noch einmal mitgeteilt werden. Der Rundfunkrat Heiko Hilker (PDS) bemängelt zudem, dass er Berichte der externen Wirtschaftsprüfungsfirma PwC aus den Jahren 1992 bis 1995 bislang nicht einsehen durfte. Das, so sei er auf Anfrage beschieden worden, sei erst nach der Abstimmung am 14. Dezember möglich. "Da fragt man sich", so Hilker, "welche Leichen noch im Keller liegen." Für Wirbel sorgt auch ein Brief des suspendierten Verwaltungsdirektors Rolf Markner an die Mitglieder des Rundfunkrats. Darin wirft Markner dem Intendanten erneut vor, die Unwahrheit gesagt zu haben. So habe Reiter nicht nur - anders als von ihm behauptet - frühzeitig von einer hochspekulativen Währungsanleihe in Ecuador erfahren, sondern sei sogar über den Stand der Verhandlungen mit der Dresdner Bank über etwaige Schadensersatzansprüche stets informiert gewesen.

DER SPIEGEL 50/2000
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