11.12.2000

IRANFolter für Studentenführer

In Teheran fürchten Vorkämpfer für Demokratie und Meinungsfreiheit neue Zusammenstöße mit den Sicherheitskräften des Gottesstaats. Als Epizentrum der drohenden Protestaktionen gilt die Universität Teheran. Von dort war bereits 1979 der Volksaufstand gegen den Schah mit initiiert worden. Erst im Sommer des vergangenen Jahres hatten Studentenproteste gegen die repressive Mullahkratie zu den schwersten Unruhen seit Gründung der Islamischen Republik geführt. Aufgeheizt wird die Stimmung unter den frustrierten Reformkräften jetzt durch das Schicksal der seither inhaftieren Studentenführer Manutschehr und Akbar Mohammadi sowie Ahmed Batebi. Das Foto Batebis, der das blutgetränkte T-Shirt eines Kommilitonen in die Kameras hielt, ging zum Ärger der islamistischen Falken seinerzeit um die Welt. Offiziell wurden die zunächst ausgesprochenen Todesurteile inzwischen in langjährige Haftstrafen umgewandelt. Doch die Familien und Mitstreiter der Studentenführer sorgen sich nun, dass die Gefangenen die Haft nicht überleben. Der Vater der Brüder Mohammadi berichtet von "schweren Folterungen". Sie seien monatelang mit "gebundenen Händen oder Füßen" an ihren Zellenwänden "aufgehängt" worden. Die Folgen: Nierenleiden, eitrige Wunden am ganzen Körper sowie schwerste psychische Schäden. Mit einem Hungerstreik will Manutschehr Mohammadi nun ärztliche Behandlung und internationalen Druck auf Teheran erzwingen. Um ein Zeichen zu setzen, so der Vater, sei sein Sohn bereit, das eigene Leben zu opfern. Der Tod des Studenten aber käme einem Fanal zum Aufstand gleich.

DER SPIEGEL 50/2000
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