11.12.2000

José María Aznar,

47, seit März mit absoluter Mehrheit im Amt bestätigter spanischer Ministerpräsident, ist mal wieder mit seinem Kleinbürgerbenehmen angeeckt. Zum 25-jährigen Thronjubiläum des Königs Juan Carlos empfing der Regierungschef die Monarchen vor dem Kongressgebäude in der Verkleidung eines Agenten, dem spießigen Regenmantel mit Schulterklappen und verdrehtem Gürtel. Zugegeben, es fiel leichter Nieselregen in Madrid. Doch der König entstieg seinem Wagen würdevoll im dunkelblauen Anzug, die Königin trug ein Chiffonkleid, die Ehreneskorte Uniform. Sie und die dem Protokoll entsprechend feierlich gekleideten Repräsentanten der Parteien sowie die Präsidentinnen von Senat und Parlament trotzten der Feuchtigkeit. Nur der kleine Mann mit dem großen Schnauzbart hatte wohl Angst, sich bei der Reverenz einen Schnupfen zu holen. In Sachen protokollarischer Höflichkeit ist König Juan Carlos vom konservativen Würdenträger nichts Gutes gewöhnt: Vor einem Jahr beim Iberoamerikanischen Gipfel auf Kuba kam Aznar plötzlich in Hitzewallung, als er mit dem Monarchenpaar durch die Altstadt Havannas spazierte. Damals riss sich der Ministerpräsident ungeniert das Jackett vom Leib und trabte hemdsärmelig und schwitzend neben dem König und seiner Ehefrau weiter.

DER SPIEGEL 50/2000
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