05.02.2001

MEDIZINSchmieröl im Gelenk

Henner Alms ist Sprecher des Schweizer Hüftprothesen-Herstellers Sulzer Medica, der eine Rückrufaktion für Tausende von künstlichen Hüftgelenken gestartet hat.
SPIEGEL: Was hat Ihre Firma zu der ungewöhnlichen Rückrufaktion bewogen?
Alms: Es sind 17 500 Patienten Hüftprothesen implantiert worden, die verunreinigt waren. 90 Prozent der Fälle beziehen sich auf die USA, in Deutschland wurde kein einziges der verunreinigten Implantate eingesetzt. Die Rückrufaktion bezieht sich im Übrigen nicht auf bereits verpflanzte Hüftgelenke, sondern auf Material, das noch in den Regalen lag.
SPIEGEL: Womit sind die Gelenke denn verunreinigt?
Alms: Es handelt sich ausschließlich um die Schale, in der der Kugelkopf sitzt. Ihre Außenseite war mit geringfügigen Spuren von Mineralölen verunreinigt. Wir hatten beim Produktionsprozess eine Leckage, bei der Schmiermittel in das Kühlwasser getropft ist, in dem sich die Schalen zum Abkühlen befanden.
SPIEGEL: Welche Folgen hat das für die Patienten?
Alms: Wir haben beobachtet, dass in vereinzelten Fällen die Knochen der Patienten nicht mit der Hüftschale verwachsen sind. Die Schale hat sich in den ersten sechs Monaten nach der Implantation gelockert.
SPIEGEL: Das heißt, die Betroffenen können sich nur noch auf Krücken bewegen und leiden unter großen Schmerzen.
Alms: Ja.
SPIEGEL: Bei wie vielen Patienten sind die Probleme aufgetreten?
Alms: Wir sind bis heute über etwa 200 Fälle informiert.
SPIEGEL: Müssen die verunreinigten Hüftgelenke nicht wieder entfernt werden?
Alms: Reoperationen sind nach unserer Ansicht nur dann notwendig, wenn bei den Patienten Probleme auftreten.
SPIEGEL: Solche Reoperationen sind mit größeren Risiken verbunden als der ursprüngliche Eingriff und kosten 30 000 Mark. Wer wird die Kosten übernehmen?
Alms: Die Krankenversicherung.
SPIEGEL: In den USA sind angeblich Millionenklagen gegen Sie angekündigt ...
Alms: Es sind Klagen gegen uns anhängig, aber Summen sind bisher noch nicht genannt worden. Wir bekennen uns allerdings zu unserer Verantwortung. Es handelt sich um einen Haftpflichtfall, und gegen den sind wir versichert.

DER SPIEGEL 6/2001
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