12.03.2001

HELMUT WILLMANN

General „Tiger-Willi“
Die hehren Worte des Lateinlehrers am humanistischen Gymnasium in Donaueschingen entzündeten bei dem halbwüchsigen Helmut Willmann eine Leidenschaft, die seither nicht mehr vergangen ist: "Führen ist ein Wagnis! Führung braucht ganze Männer! Führung braucht Opfer!"
Willmann wurde Berufssoldat - gegen den erbitterten Widerstand der Mutter: "Dich haben die im Krankenhaus verwechselt."
Heute ist der Drei-Sterne-General Willmann, 61, Inspekteur des Heeres, Anführer von 200 000 Soldaten - und er hat die Bundeswehr in den letzten fünf Jahren mehr verändert als irgendein General vor ihm in der Nachkriegszeit: "Von der Friedens- zur Einsatzarmee." Damit verwirklichte Willmann, der sich mit der passiven Rolle der Bundeswehr nie abfinden wollte, seine berufliche Vision. "Tiger-Willi", wie Kameraden den bei Wind und Wetter stets hemdsärmeligen Panzergrenadier tauften, war nie zweiter Mann, sondern immer auf der Führerschiene. Er gilt als Gegenteil des modernen Team-Leaders; er gehört nicht zu denen, die delegieren und sich für ersetzbar halten. Willmann lehrt die "Identifikation mit dem Mann an der Spitze", der "unbeirrbar Kurs hält, egal wie unbequem das ist".
Unbequem ist Willmann vor allem für seine Untergebenen. Wo er auftaucht, bleibt kein Plan wie abgesprochen, höchste Offiziere werden vor Dritten abgebürstet, dass sie am liebsten im Boden versinken wollten. Rücksichtslosigkeit gegen Menschen hält Willmann, wenn es der Sache dient, jederzeit für opportun.
Dabei muss man ihm wohl glauben, dass er die Zeit, als er die "größte Lust" an der Macht empfand, schon hinter sich hat: Als 39-jähriger Bataillonskommandeur ließ Willmann seine 1000 Mann "gerne" an sich vorüberparadieren. Zumindest heute gilt er privat als Mann von herzlich-grobem Charme.
Der Militär, der am 28. März mit einem Großen Zapfenstreich aus dem Dienst scheidet, war als Fahnenjunker vor 42 Jahren noch einmal zu seinem Lehrer zurückgekehrt. Der attestierte ihm: "Aus dir ist aber ein rauer Geselle geworden." Das hält Willmann bis heute für ein Kompliment.

DER SPIEGEL 11/2001
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