26.03.2001

FILM„Viele Amerikaner wollten den Krieg“

Hollywood-Star Kevin Costner, 46, über seinen neuen Film „Thirteen Days“, in dem er Hauptdarsteller und Co-Produzent ist
SPIEGEL: Mister Costner, in Ihrem Film werden die Diskussionen zwischen den Kennedy-Brüdern und ihren Beratern während der Kuba-Krise im Oktober 1962 nachgespielt. Historiker und Journalisten sind begeistert - beim US-Publikum fiel der Film jedoch durch. Interessieren sich die Amerikaner nicht für ihre Geschichte?
Costner: Das amerikanische Publikum will nicht nachdenken, sondern unterhalten werden. Der Film war ein Risiko, aber die Geschichte war gut. Die Kennedy-Brüder retteten die Welt.
SPIEGEL: War das Publikum enttäuscht, weil der Film nicht viel mehr zeigt als Männer in weißen Hemden, die angestrengt Strategien diskutieren? Fehlt nicht die Liebesgeschichte?
Costner: Zugegeben, Jackie bleibt eine Randfigur, andere Frauen kommen nicht vor. Aber John F. Kennedy ist keine historische Person, weil er mit Marilyn Monroe geschlafen hat. Ich erwarte sogar von einem mächtigen, starken Mann, dass er mit Frauen schläft. Entscheidend ist aber, dass John und Robert etwas geleistet haben. Es gibt wahrscheinlich keinen anderen amerikanischen Politiker, der tun würde, was sie getan haben.
SPIEGEL: Wieso sind Sie sich da so sicher?
Costner: Heute geht es den Politikern darum, wiedergewählt zu werden. Kennedy hat sich aber mit der Entscheidung gegen einen Angriff sicher nicht beliebt gemacht. Viele Amerikaner wollten ja den Krieg. Auch etliche seiner Berater.
SPIEGEL: Geht das aus den Tonbändern des Weißen Hauses hervor, die für den Film abgehört wurden?
Costner: Sie zeigen, wie aggressiv die Berater vorgingen. Die Kennedys waren nicht besonders beliebt. Sie waren jung und unerfahren, kamen nicht aus Washington, und selbst ihr Akzent klang anders. Sie wussten, dass sie nur sich selbst trauen konnten.
SPIEGEL: Und natürlich ihrem ehemaligen Schulkameraden, Harvard-Football-Teamkollegen und persönlichen Sicherheitsberater Kenny O'Donnell, dessen Rolle Sie in dem Film übernommen haben. Warum spielen Sie nicht den Präsidenten?
Costner: Es ist einfacher für das Publikum, ein unbekannteres Gesicht mit Kennedy zu verbinden. Bruce Greenwood war die richtige Präsidentenbesetzung im Film.
SPIEGEL: Und im wirklichen Leben?
Costner: Ich werde Ihnen jetzt nicht verraten, für wen ich im November gestimmt habe. Finanziell unterstützt habe ich beide. Ich stimme nie für eine bestimmte Partei, sondern immer für den besten Mann. Ein guter Präsident ist nicht immer der schlauste Mann im Raum. Bush wird mehr delegieren. Kennedy war dagegen ein Philosoph und eine Führungspersönlichkeit.
SPIEGEL: Der Film wirkt, als wollten Sie das Kennedy-Andenken aufpolieren.
Costner: Ich kannte Bobby Junior, Michael und Joseph. Wir sind keine Sandkistenfreunde, aber ich habe sie getroffen, und sie sind mir dankbar, dass ich in beiden Kennedy-Filmen, also "JFK" und "Thirteen Days", so respektvoll mit der Geschichte ihrer Familie umgehe. Sie trauen mir.

DER SPIEGEL 13/2001
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DER SPIEGEL 13/2001
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