09.04.2001

RECHTSSTREITUlk mit Goethe

Als hätte es der Meister geahnt: "Verflucht, was uns in Träumen heuchelt / Des Ruhms, der Namensdauer Trug! / Verflucht, was als Besitz uns schmeichelt." So schimpft Faust bei Goethe. Das Goethe-Institut lässt sich von der Warnung seines Namensgebers nicht beeindrucken und verfolgt mit deutscher Humorlosigkeit den Islandbegeisterten Berliner Künstler Wolfgang Müller. Als die Münchner Zentrale 1998 die Dependance in Islands Hauptstadt Reykjavík schloss, gründete Müller bald darauf ebendort ein "privates Goethe-Institut" - und installierte in einem Museum einen Schreibtisch mit einem Telefon, das immer dann klingelte, wenn jemand die Nummer der geschlossenen Einrichtung anwählte. Die Münchner fanden den Schelmenstreich erst "originell", doch weil Müller weiteren Goethe-Ulk trieb, will das Haus ihm nun verbieten, "ein der Marke 'Goethe-Institut' ähnliches Zeichen" zu verwenden. Die nämlich sei "gegen jede Benutzung durch Dritte" geschützt, teilte ein geharnisches Schreiben aus der Münchner Zentrale im März dem Künstler mit. Da er eine geforderte Unterlassungserklärung nicht unterschrieb, droht Müller nun eine Strafe von rund 10 000 Mark. Dabei hat er sein Goethe-Dauerprojekt mittlerweile in "Walther von Goethe Foundation Reykjavík" umbenannt, in Erinnerung an den unglücklichen Goethe-Enkel Walther.

DER SPIEGEL 15/2001
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