21.05.2001

Norbert Blüm

Norbert Blüm, 65, Ex-Sozialminister und CDU-Bundestagsabgeordneter, hat ein Trauma überwunden, das ihn "16 Jahre jeden Sommer gequält" habe. Das gestand er bei der Vorstellung seines neuen Buchs "Das Sommerloch" in dem gleichnamigen Weinörtchen (440 Einwohner) in Rheinland-Pfalz: "Das Sommerloch ist eine seltsame Brutstätte. In seinem geheimnisvollen Nichts entstehen Blähungen und Giftgase, Halluzinationen und Explosionen." Deshalb marschierte der Finnland-Fan jeden Morgen von seiner karelischen Urlaubshütte zu einem entfernten Bauernhof mit Telefonanschluss, um in Bonn nachzufragen: "Was gibt's Neues?" Fünfmal musste Blüm seinen Urlaub abbrechen, 1990, so schildert es Blüm in seinem Buch, waren im Sommerloch gar fünf Milliarden Mark verschwunden. Bonn hatte das Geld zur Finanzierung der Renten an die DDR-Regierung unter Lothar de Maizière geschickt, doch der Betrag war irgendwo im "Beitrittsgebiet" versickert. Nach einer eilig einberufenen Krisensitzung überwies Finanzminister Theo Waigel die fünf Milliarden ein zweites Mal - Arbeitsminister Blüm musste sie allerdings innerhalb eines Monats zurückzahlen. Der Fehlbetrag wurde tatsächlich aufgespürt - wie, das will Blüm erst erzählen, wenn "alle Verjährungsfristen" abgelaufen sind. Wie auch immer, als "Mitglied einer angesehenen Opposition" verbringe er den Sommer jetzt "wie keinen zuvor, endlich in heiterer Gelassenheit".

DER SPIEGEL 21/2001
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