11.06.2001

SEXUALITÄTBibel des Trieblebens

Vor Aids war die Sexualwissenschaft eine Domäne gleichgeschlechtlich orientierter Forscher. Es ging unterhaltsam zu, wenn auch nicht immer seriös. Das ist vorbei. Jetzt haben sich die heterosexuellen Mediziner formiert; ihre Gesellschaft ist eher fad, aber sehr solide. Nun haben die leitenden Herren Klaus Beier, Hartmut Bosinski, Uwe Hartmann und Kurt Loewit ein neues Standardwerk über Trieb und Trott vorgelegt: "Sexualmedizin", 586 Seiten; 169,90 Mark; erschienen bei Urban&Fischer. Solch eine Bibel hat bisher gefehlt. Statt Meinungen werden Fakten, Zahlen, Pharmaka, Gesetzestexte und Grafiken präsentiert, niemand muss fürderhin über Koitusfrequenzen, Inzest oder Orgasmusstörungen rätseln. Auch das "Brücken-Manöver" wird erklärt - man stimuliert "die Frau klitoral bis kurz vor, nicht hinein in den Orgasmus". Das hilft gegen "primäre Anorgasmie". Das Opus verzichtet, im Gegensatz zu den bisher gehandelten Fachbüchern, auf stimulierende Texte. Auch die beliebten Schweinkramfotos wurden eliminiert, nur eines, das "She-Male-Phänomen mit partieller Geschlechtstransformation als Ausdruck autogynäphiler sexueller Attraktion (in der Pornografie)" konnte sich retten, auf die Farbtafel XI.

DER SPIEGEL 24/2001
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SEXUALITÄT:
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