15.09.2001

GRÜNEBye-Bye, „Bündnis 90“

Führende ostdeutsche Bürgerrechtler fordern die Streichung der Bezeichnung "Bündnis 90" aus dem Parteinamen Bündnis 90/Die Grünen, den die Partei seit der Fusion 1993 von westdeutschen Grünen und den im Bündnis zusammengeschlossenen drei wichtigsten DDR-Bürgerrechtsbewegungen trägt. "Die Bundespartei sollte auf die Formulierung verzichten", so Wolfgang Templin, einstiger Mitbegründer der 1990 im Bündnis 90 aufgegangenen Initiative Frieden und Menschenrechte und der frühere Bundestagsabgeordnete Konrad Weiß. Auch Hans-Jürgen Fischbeck, der 1989 gemeinsam mit anderen die Bürgerbewegung Demokratie Jetzt gegründet hatte, hält den heutigen Namen der Bundespartei für "Etikettenschwindel". Aus der Partei sei "keine gesamtdeutsche Bürgerbewegung geworden". Der frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, der einst zum Neuen Forum gehörte, sieht in der Bezeichnung Bündnis 90 heute nur noch eine "Erinnerung daran, dass es einmal eine erfolgreiche Demokratiebewegung in Deutschland gegeben hat". Insgesamt sei die Partei jedoch "die grüne Partei Westdeutschlands geblieben". Dem Vorschlag des ostdeutschen Grünen-Politikers Werner Schulz, mit einem öffentlichen Fest die Vereinigung der drei Bürgerbewegungen zur Partei Bündnis 90 vor zehn Jahren ähnlich "wie den 18. und 20. Geburtstag der Grünen" zu würdigen, war der Bundesvorstand nicht gefolgt. Schulz organisiert nun eine private Feier.

DER SPIEGEL 38/2001
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