08.10.2001

PDS-FILZGetrübtes Gedächtnis

Mecklenburg-Vorpommerns Arbeitsminister Helmut Holter (PDS) hat offenbar falsche Angaben zur Stasi-Verstrickung seines Referatsleiters und Parteigenossen Ronald Klinger gemacht (SPIEGEL 36 und 37/2001). Bislang hatte der PDS-Politiker stets betont, er habe - obwohl eine entsprechende Mitteilung der Berliner Birthler-Behörde schon seit Anfang April im Ministerium vorlag - erst Mitte August von Klingers Vorleben als Inoffizieller Stasi-Mitarbeiter "Tilo Kant" erfahren. Nach SPIEGEL-Informationen war Holter schon gut drei Monate zuvor über den Stand der Dinge informiert. In einer Unterredung, die am 4. Mai um 13.30 Uhr begann, soll das Ergebnis der Stasi-Überprüfung sogar zwischen Klinger, Holter und dem damaligen Staatssekretär Joachim Wegrad (PDS) besprochen worden sein. Holter habe angekündigt, er wolle sich vor einer Entscheidung mit Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) beraten. Am 15. Juli, so ein hoher Beamter des Holter-Ministeriums, habe dann ein Treffen zwischen Wegrad und dem Leiter der Staatskanzlei, Frank Tidick, stattgefunden. In dem Gespräch soll Tidick erklärt haben, im Fall Klinger liege die Personalhoheit im Arbeitsministerium, folglich müsse auch dort über dessen berufliche Zukunft entschieden werden. Die Staatskanzlei erklärte auf Anfrage, Tidick sei zurzeit im Urlaub und könne deshalb keine Stellung nehmen. Holter-Sprecher Helfried Liebsch sagte, es habe am 4. Mai "kein Gespräch mit Klinger gegeben, an dem der Minister teilgenommen hat".
Zu allem Überfluss droht dem angeschlagenen Holter nun auch noch eine weitere Ehefrauen-Affäre. Sein neuer Staatssekretär, Klaus Sühl, der als parteiunabhängiger Arbeitsmarktexperte vorgestellt worden war, ist nämlich mit der Holter-Vertrauten Bärbel Romanowski verheiratet. Die mehrt zurzeit das Familieneinkommen als PR- und Politikberaterin - für die PDS.

DER SPIEGEL 41/2001
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