08.10.2001

HAMBURGRechtsbrecher Schill?

Richter Ronald Schill ("Partei Rechtsstaatlicher Offensive"), der nach der Hamburger Bürgerschaftswahl das Amt des Innensenators anstrebt, droht Ärger mit der Justiz. Schill soll im November vergangenen Jahres Kripo-Beamte gedrängt haben, ein Telefonat mit einem mutmaßlichen Erpresser mitzuschneiden. Obwohl der ermittelnde Staatsanwalt dies ausdrücklich untersagt hatte, erfolgte eine Aufzeichnung. Schill war von dem Projektentwickler Rüdiger Gehrmann unter Druck gesetzt worden, dessen Ehefrau Petra bei der Schill-Partei zeitweilig als Sekretärin gearbeitet hatte. Als Schill ihr die angeblich zugesagte Entlohnung verweigerte, drohte der Ehemann, laut Schill, telefonisch mit unliebsamen Veröffentlichungen. Schill erstattete Strafanzeige gegen Gehrmann, der einen Nötigungsversuch bestreitet. Dessen Anwalt hat inzwischen Strafantrag gestellt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen den Polizisten, der die Aufnahme anfertigte, wegen "Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes" (bis zu fünf Jahre Gefängnis). Laut eines Zeugen aus Schills Partei war der Mitschnitt aber die Idee des Juristen Schill. "Wir prüfen auch, welche Rolle Herr Schill bei dem Vorgang gespielt hat", so die Staatsanwaltschaft. Schill, derzeit mit Ole von Beust (CDU) und Rudolf Lange (FDP) in Koalitionsverhandlungen, war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

DER SPIEGEL 41/2001
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