08.10.2001

Vorschau

Krankenhaus Lichtenberg
Montag bis Freitag, 18.00 Uhr, Sat.1
Der Osten Berlins hat zwar keine telegene Schwarzwaldklinik zu bieten, dafür aber, so Sat.1, ein bodenständiges Krankenhaus mit "echten Ärzten, echten Patienten und echten Gefühlen". Die neue Doku-Serie berichtet vom Alltag in der Klinik: Die Patienten reden vom Tod, ihre Angehörigen wollen davon nichts hören, und die Ärzte bemühen sich, "keine Panzerfahrermentalität" - so ein schnauzbärtiger Kardiologe - an den Tag zu legen. Eine Schwester zeigt lächelnd ihre Tätowierung, und der Koch muss jeden Tag Rührei und Soljanka zubereiten. Auf schmutzige Intrigen, solariumgebräunte Sauerbruchs in spe und zünftige Waldspaziergänge müssen die Zuschauer von "Krankenhaus Lichtenberg" dagegen verzichten.
Der Verleger
Dienstag und Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD
Fernsehfilm mit Heiner Lauterbach als "Bild"-Zeitung-Gründer Axel Springer (siehe Seite 66).
Lola rennt
Donnerstag, 20.45 Uhr, Arte
Vielleicht ist das die einfachste Filmhandlung der Welt: Jemand läuft um sein Leben. Es gilt, das zu retten, was den Sinn dieses Lebens ausmacht, also den einzig geliebten Menschen. Es gilt anzurennen gegen die Gleichgültigkeit der Welt, gegen die Uhr, gegen den Tod. Jede Sekunde zählt in diesem Wettlauf, und jedes Hindernis ist ein Zeichen des Bösen, der nun offenbar nicht mehr abwendbaren Katastrophe. Im Kino erwies sich Tom Tykwers mehrfach preisgekröntes Techno-Triptychon (1998) als Selbstläufer; ob der "Experimentalfilm für ein Massenpublikum" (Tykwer) auch im Experimenten eher abgeneigten Massenmedium Fernsehen seine hypnotische Wirkung entfalten kann, darf man bezweifeln.
Oi! Warning
Donnerstag, 23.00 Uhr, ARD
"Oi! Warning" (1999) erzählt eine klassische Coming-of-Age-Geschichte: Der 17-jährige Janosch (Sascha Backhaus) haut aus seinem bürgerlichen Elternhaus am Bodensee ab und fährt zu seinem heimlichen Vorbild ins Ruhrgebiet. Koma (Simon Goerts) ist in der Skin-Szene aktiv, sammelt Trophäen als Amateurboxer und nimmt den schmächtigen Janosch unter seine Fittiche. Der bemüht sich nach Kräften, bei den Männlichkeitsriten der Glatzen mitzuhalten, und brüllt bei Konzerten eifrig "Oi! Oi!", jenen Schlachtruf der Szene, der für Spaß am Saufen, Feiern und Prügeln steht. Aber bald lockt ihn die unbekümmerte Freiheit und Freundlichkeit eines Feuer schluckenden Punks (Jens Veith). Janosch löst sich aus Komas Bann, und der rächt sich mit einer feigen, grausamen Tat. In expressiven Schwarzweißbildern zeigt "Oi! Warning" den Reiz, den alkoholduselige Pogo-Gruppenekstasen und Massenschlägereien ausüben, aber die Erzählhaltung des Films (Regie: Dominik und Benjamin Reding) wahrt immer Abstand zu den archaischen Ritualen der Glatzen. Nur wer Dutzende von moralischen Warnflaggen missachtet, kann "Oi!" als Gewalt verherrlichende Hymne auf die Freuden des Skin-Lebens verstehen.
Tatort: Zielscheibe
Sonntag, 20.15 Uhr, ARD
Seit Oskar Lafontaine ins selbst gewählte Retiro entschwunden ist, hat es das arme Saarland noch schwerer als früher, gelegentlich im Fernsehen aufzutauchen. Wie gut, dass wenigstens einmal pro Jahr der lässige Saarbrücker "Tatort"-Kommissar Max Palu (Jochen Senf) einen Fall lösen muss. Diesmal geht es um den Mord an einer Fernsehmoderatorin (Juliane Köhler), die in ihrer Show zur Jagd auf einen serbischen Kriegsverbrecher geblasen hatte.
Das Traumschiff
Sonntag, 20.15 Uhr, ZDF
Kein seichtes Gewässer war vor ihm sicher: Seit nunmehr 20 Jahren schaukelt das ZDF-Trostboot seine Zuschauer durch eine heile Welt. "Das Traumschiff", salbadert der verantwortliche Redakteur Claus Beling, "bekennt sich zur edelsten Form des Eskapismus." Tatsächlich gehören Liebe, Landausflüge und drei warme Mahlzeiten pro Tag zu den Menschenrechten an Bord der "MS Deutschland". In der Jubiläumsfolge darf nun endlich auch mal die Crew um die rüstige Chefstewardess Beatrice (Heide Keller), Schiffsarzt Dr. Schröder (Horst Naumann) und Kapitän Paulsen (Siegfried Rauch) ihren Spaß haben - oder zumindest das, was das ZDF dafür hält: Man spendierte den Schauspielern einen Ausflug zu Siegfried und Roy, den lederhäutigen Zauberern im Zockerparadies Las Vegas. "Für diese Folge", juxt "Traumschiff"-Produzent Wolfgang Rademann, "mussten wir extra einen Kanal graben." Ein Vorschlag zur Güte: Könnte man "Das Traumschiff" nicht in Zukunft auf diesem Kanal senden?

DER SPIEGEL 41/2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 41/2001
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Vorschau