08.10.2001

NIGERIAMisslungene Hilfe

Weit über 150 Millionen Dollar hat der britisch-niederländische Ölmulti Shell in den vergangenen drei Jahren für Entwicklungsprojekte im Nigerdelta ausgegeben. Das Unternehmen wollte damit vor allem seinen seit der Hinrichtung des Umweltaktivisten und Literaten Ken Saro-Wiwa ramponierten Ruf retten. Doch für die unter verseuchten Böden und giftigen Abgasen leidenden Bewohner der Ölfördergebiete hat sich die Investition bisher kaum ausgezahlt. Das zumindest geht aus einem von Shell in Auftrag gegebenen Bericht hervor, der das Entwicklungssponsoring des Konzerns unter die Lupe nahm. Demnach kann nur jede dritte der geförderten Maßnahmen als echter Erfolg gewertet werden. So scheiterte die Elektrifizierung eines Dorfs an der mangelnden Leistungsstärke des installierten Trafos. Wasserpumpen versagten nach wenigen Wochen. Schulgebäude wurden errichtet, aber nicht ausgestattet. Für den öffentlichen Nahverkehr gedachte Minibusse kommen nicht zum Einsatz. Und ein im vergangenen Jahr erbautes Krankenhaus wurde nie eröffnet. Der bei großen Teilen der Bevölkerung verhasste Konzern hatte 1997 zur Schadensbegrenzung ein Team erfahrener Entwicklungsmanager eingekauft. Doch auch der Versuch, sich umweltbewusst und sozial engagiert zu geben, konnte ihn bisher nicht vor Sabotageakten retten. Deshalb werden mit den Projektgeldern auch schon mal militante Gruppen befriedet. Das Delta sei eine schwierige Region, rechtfertigen die Verantwortlichen ihre mangelnde Erfolgsbilanz. Nur wenige Hilfsorganisationen würden sich einer solchen Herausforderung überhaupt stellen.

DER SPIEGEL 41/2001
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