08.10.2001

BRASILIENRente im Dschungel

Eine Studie im Auftrag des Sozialministeriums belegt, wie sehr die Ureinwohner von den Segnungen des Sozialstaats profitieren können: Bei den Sateré-Maué am Amazonas ist die Rente für die Ältesten mittlerweile Haupterwerbsquelle. Für die rund 6000 Stammesangehörigen, die in 39 Siedlungen verstreut entlang dem Fluss wohnen, bedeuten die 120 Mark ihrer Pensionäre weit mehr, als sie etwa aus dem Anbau von Maniok erzielen könnten, und seit den Probesprengungen des Erdölkonzerns TotalFinaElf geben die Jagdreviere kaum mehr etwas her. Eine wesentliche Statusaufwertung sei das für die Alten, so der Anthropologe Gabriel Alvarez: "Sie geben nicht nur die Traditionen weiter, sondern können nun auch die wichtigsten Riten finanzieren." Der Nachteil bisher: Sie müssen, teilweise über 90 Jahre alt, mehrtägige Reisen im Einbaum zur Auszahlungsstelle unternehmen. Deshalb sind es bisher nur fünf Prozent der Indios, die Rente, aber auch Mutterschafts- und Krankengeld in Anspruch nehmen, gegenüber elf Prozent im nationalen Durchschnitt. Das soll sich nun ändern - mit schwimmenden Sozialbehörden, die einmal im Monat die Flussarme entlangfahren.

DER SPIEGEL 41/2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 41/2001
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

BRASILIEN:
Rente im Dschungel

  • Portrait über Jürgen Grässlin: Warum deutsche Rüstungskonzerne einen Lehrer fürchten
  • Zwischenfall in der NFL: Pyromaschine fängt Feuer
  • Toyota-Solarauto: Prototyp produziert Strom während der Fahrt
  • Videoreportage zu Mobbing: "Ganz oft haben welche zu mir 'Fette' gesagt"