08.10.2001

BANGLADESCH„Liberal und tolerant“

Die Krise um die afghanischen Taliban stärkt offenbar islamische Tendenzen in Südasien: Vergangenen Montag errang die Oppositionsführerin Khaleda Zia, 56, bei den Parlamentswahlen in Bangladesch einen deutlichen Sieg. Khaleda, Chefin der konservativen Nationalpartei, will ein Vier-Parteien-Bündnis schließen, unter anderem mit der religiösen Jamaat-i-Islami, die 16 Parlamentssitze in die Polit-Ehe einbringt. Einen Rechtsruck, beteuerten die Koalitionäre sogleich beflissen, bedeute die Abwahl der bisherigen Ministerpräsidentin Scheich Hasina Wajed, 54, aber keineswegs. Als "liberal und tolerant" bezeichnet Ali Ahsan Mohammad Mujaheed, 54, Generalsekretär der Jamaat-i-Islami, den Staat Bangladesch, der "kein Platz für Terrorismus" sei. Seinen 140 Millionen Einwohnern verspricht er "Wohlfahrtsprogramme" sowie Recht, Ordnung und Bildung.
Hasina verlor die Wahlen, obwohl sie auf ein Wirtschaftswachstum von zuletzt 5,9 Prozent verweisen konnte. Deshalb gilt das Ergebnis als Sympathiebekundung der zu 83 Prozent muslimischen Bevölkerung für die weltweit ins Visier geratenen Glaubensbrüder. Mujaheed dementiert denn auch eilig jedwede Verbindung zur radikalen pakistanischen Schwesterpartei, die ebenfalls Jamaat-i-Islami heißt, um nicht in die Nähe von Hardlinern gerückt zu werden: Es gebe "keine Kontakte", genauso wie die neue Regierung "keine besonderen Beziehungen zu Pakistan" pflegen werde. Was dort zurzeit geschehe, "ist nicht unsere Angelegenheit". Indische Vorwürfe, Bangladesch beherberge in der Hauptstadt Dhaka Separatisten, die in Nordostindien für Unruhe sorgten, wehrt Mujaheed vorsorglich ab - mit spitzem Unterton: "Wir wollen gute Nachbarn und Freunde sein", die sich "nicht in die Angelegenheiten anderer einmischen".

DER SPIEGEL 41/2001
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