08.10.2001

REPRODUKTIONSMEDIZINGeschlechtswahl in der Retorte

Es sei "akzeptabel", das Geschlecht eines Wunschkindes auszuwählen, befand jetzt John Robertson, der Vorsitzende der Ethikkommission amerikanischer Reproduktionsmediziner. Demnach soll es zulässig sein, bei der künstlichen Befruchtung nach Wunsch die männlichen oder weiblichen Embryonen auszusuchen und die übrigen wegzuwerfen. Dies bedeutet für die US-Medizin eine ethische Kehrtwende. Möglich wird das so genannte Sexing durch die umstrittene und bislang fast ausschließlich zur Diagnose genetischer Schädigungen eingesetzte Präimplantationsdiagnostik. Der Vorstoß traf in den USA auf ein geteiltes Echo. Ein Verbund von neun Reprokliniken in Chicago und New York will ihren Kunden das Sexing "ab sofort" anbieten. "Ehrlich gesagt", so der Chefarzt der Gruppe, Norbert Gleicher, "haben wir schon eine Liste von Patienten, die danach gefragt haben." Ablehnend äußerte sich dagegen William Schoolcraft, Arzt an einer Klinik für Reproduktionsmedizin in Colorado. "Was kommt als Nächstes?", fragt er. "Werden wir irgendwann auch Kinder verwerfen, wenn sie nicht mit überdurchschnittlicher Intelligenz ausgestattet sind oder nicht die richtige Haar- oder Augenfarbe haben?"

DER SPIEGEL 41/2001
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REPRODUKTIONSMEDIZIN:
Geschlechtswahl in der Retorte