08.10.2001

DIÄTLebensgefahr durch Fressbremse

Nach ersten Hinweisen auf gefährliche Nebenwirkungen der "Sättigungskapseln" CM3 hat der Arzneimittelinformationsdienst "Arznei-Telegramm" jetzt erneut vor dem rezeptfrei erhältlichen Diäthelfer gewarnt. Dem Bonner Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) liegen inzwischen acht Berichte über lebensgefährliche Darmverschlüsse vor, zu denen es nach der Einnahme des Mittels gekommen ist. In Dutzenden von weiteren Fällen klagten die Betroffenen über Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Magenschmerzen. Das "Arznei-Telegramm" fordert deshalb mit Nachdruck, das von der Kölner Firma A + G Lifescience hergestellte Mittel "schleunigst vom Markt" zu nehmen. "Ein rezeptfreies Medizinprodukt", so die Autoren, "das lebensbedrohlichen Darmverschluss auslösen kann, ist zur Selbstmedikation ungeeignet." In einem bundesweiten Rundschreiben an Apotheken hatte die Firma im September behauptet, dass es "nach Untersuchungen des BfArM" keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Einnahme der Kapseln und den gemeldeten Nebenwirkungen gebe. Das Bundesinstitut hat diese Darstellung Ende vorletzter Woche als falsch zurückgewiesen. Es empfiehlt stattdessen allen Anwendern "dringend", sich vor der Einnahme von CM3 oder ähnlichen Sättigungsmitteln ärztlich beraten zu lassen. Die Abnehmkapseln, in denen hochvernetzte Zellulose aus Flachs, Baumwolle und Holzfaser enthalten ist, quellen im Magensaft zu kleinen Schwämmchen auf, die ein Sättigungsgefühl hervorrufen und den Heißhunger verhindern sollen. Prominente Dicke wie Bayer-Leverkusen-Manager Reiner Calmund oder "Musikantenstadl"-Chef Karl Moik sollen mit Hilfe des Kölner Fresszüglers schon erfolgreich abgenommen haben.

DER SPIEGEL 41/2001
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